St. Pauli

Esso-Tankstelle abgerissen

Die Kult-Tankstelle an den Esso-Häusern wurde am Mittwoch überraschend abgerissen. Der Abriss der Häuser soll Anfang März folgen. Nun geht es um die Zukunft des Areals: 400 Viertelbewohner haben am Samstag auf einer Stadtteilversammlung Forderungen aufgestellt. 

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Die berühmte Esso-Tankstelle ist seit Mittwoch Geschichte.

Zlatko Bahtijarevic steht ungläubig vor den Esso-Häusern, während Bauarbeiter mit großem Getöse das Dach der berühmten Tankstelle einreißen. „Die Bagger sind angerückt, obwohl wir erwartet haben, dass erst im März mit dem Abriss begonnen wird“, sagt der Betreiber des Planet Pauli, dem ehemals größten Club in den Häusern. „Die Verantwortlichen haben wohl keine Zeit zu verlieren.“

Noch am Dienstag hatte die Eigentümergesellschaft Bayerische Hausbau angekündigt, die „tatsächlichen Abbrucharbeiten“ würden erst im März beginnen. Bis dahin würden Arbeiten im Haus verrichtet, sagte Unternehmenssprecherin Sabine Hagn zu Hinz&Kunzt. Auch der Abriss der Tankstelle gehöre zu diesen „vorbereitenden Maßnahmen“, heißt es heute. Die Bemühungen der Bewohner- und Nachbarschaftsinitiative für den Erhalt der Häuser waren damit nicht erfolgreich. Der Bezirk hatte die Häuser im Dezember für unbewohnbar erklärt und geräumt, nachdem einige Bewohner von zitternden Wänden berichtet hatten. Bis Mitte April soll der Abriss abgeschlossen sein.

Viele Nachbarn und ehemalige Bewohner der Esso-Häuser wollen den bevorstehenden Abriss nicht so einfach hinnehmen. Am vergangenen Samstag trafen sich etwa 400 Bewohner St. Paulis zu einer Stadtteilkonferenz im Millerntorstadion, um unter anderem über die Zukunft des Esso-Geländes zu beraten. Sie verabschiedeten eine Resolution, in der sie unter anderem fordern, dass nach dem Abriss auf dem Gelände ausschließlich Sozialwohnungen gebaut werden sollen. Alle bisherigen Wohnungs- und Gewerbemieter sollen zu gleichen oder besseren Bedingungen wieder in das neue Haus einziehen dürfen. Außerdem wünschen sich die Viertelbewohner einen „von unten organisierten, demokratischen Planungsprozeß“.

Die Bezirksversammlung Mitte hatte die Bayerische Hausbau bereits 2012 aufgefordert, 50 Prozent Sozialwohnungen auf dem Areal der ehemaligen Esso-Häuser zu errichten. Für die war bereits das zu viel: „Wir haben da noch Gesprächsbedarf mit dem Bezirk“, so Sprecherin Hagn. „50 Prozent Sozialwohnungen lassen sich für uns wirtschaftlich nicht darstellen.“ Zudem würde die Bayerische Hausbau dadurch gegenüber anderen Investoren in Hamburg benachteiligt, die jeweils nur 30 Prozent Sozialwohnungen bei Neubauprojekten errichten müssen. Durch die geplanten Miet- und Eigentumswohnungen in den neu entstehenden Gebäuden würden die Sozialwohnungen querfinanziert, sagte Hagn: „Dafür brauchen wir den Drittelmix.“

Eine demokratische Beteiligung der Viertelbewohner an den weiteren Planungen kann sich das Unternehmen in Grenzen vorstellen. „Wir werden die interessierte Öffentlichkeit in geeigneter Form mit einbeziehen“, sagte Hagn. Dies werde im Rahmen des Architekturwettbewerbs mit dem Bezirk Mitte abgestimmt. Hagn: „Darüber hinaus schlagen wir vor, dass zwei unserer Mieterinnen und Mieter als Sachpreisrichter an diesem Wettbewerb teilnehmen.“ Die Teilnehmer der Stadtteilversammlung wollen trotzdem „umgehend damit beginnen, die Planung selbst in die Hand zu nehmen.“

Text, Foto und Video: Benjamin Laufer

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