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Winternotprogramm

Erfrierungsschutz 2. Klasse

29. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Sozialsenator Detlef Scheele hat am Montag das Winternotprogramm vorgestellt: Ab dem 1. November bietet die Stadt 700 Obdachlosen eine Unterkunft. Erstmalig wird allerdings zwischen Obdachlosen mit und ohne Rechtsanspruch unterschieden.

WNP_2013

Ein Bett in einem kargen Raum, mehr bietet das Winternotquartier in der Spaldingstraße nicht.

Insgesamt 700 Schlafplätze stellt die Sozialbehörde zusammen mit dem städtischen Unterkunftsbetreiber Fördern & Wohnen in diesem Jahr zum Start des Winternotprogramms bereit. Das ist eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, als das Winternotprogramm mit 252 Plätzen startete. Damals, so Sozialsenator Detlef Scheele, hätte man die Zahl auf bis zu 900 Plätze aufstocken müssen.

Nur 113 Menschen wurden nach Angabe der Behörde im vergangenen Jahr aus dem Winternotprogramm in eine dauerhafte Wohnunterkunft vermittelt. Das kritisiert Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer: „Solange es nicht gelingt, mehr Menschen in eine Wohnung zu vermitteln, wird das Winternotprogramm von Jahr zu Jahr größer werden.“ Karrenbauer geht davon aus, dass auch in diesem Jahr weitere Plätze geschaffen werden müssen. Laut Sozialsenator Scheele gäbe es inzwischen aus der Bevölkerung zwar reichlich Unterstützung für wohnungslose Menschen und nur wenig Protest gegen neue Unterkünfte in der Nachbarschaft. Trotzdem räumt er ein: „Es wäre nicht einfach, weitere Plätze zu schaffen.“

In der Spaldingstraße wird in Vier- bis Acht-Bett-Zimmern übernachtet

Zentrale Anlaufstelle in den Wintermonaten ist für Obdachlose die Spaldingstraße 1. Das ehemalige Bürogebäude wurde von der Behörde in einer akuten Notsituation vor drei Jahren für das Winternotprogramm hergerichtet. Inzwischen ist aus der Übergangs- eine Dauerlösung geworden. 230 Obdachlose können hier ab 1. November Platz übernachten. Die kleineren Zimmer bieten vier Personen Platz. In größeren Räumen stehen bis zu acht Betten. Von 17.30 Uhr bis 9 Uhr morgens können sich die Obdachlosen hier aufhalten, essen und schlafen.

Ein Rundgang durch das Winternotquartier in der Spaldingstraße 1 hinterlässt ein beklemmendes Gefühl: In Raum 1.13 im ersten Stock stehen vier Etagenbetten und ein Tisch, aber kein Schrank. Schließfächer gibt es nur im Erdgeschoss beim Einlass. Das Zimmer ist rund 20 Quadratmeter groß. Die Wände könnten einmal weiß gewesen sein, inzwischen blättert die vergilbte Tapete ab. Durch ein faustgroßes Loch in der Wand dringt nicht nur der Lärm der Straße, sondern auch kalte Luft herein. „Die Fenster lassen sich nicht mehr öffnen“, erklärt ein Mitarbeiter. Deswegen hätte man Lüftungslöcher in die Wände gebohrt. Zu den insgesamt zehn Duschen müssen die Obdachlosen hinab ins Erdgeschoss. Hier befinden sich auch die Aufenthaltsräume. Tagsüber können diese nicht genutzt werden: Jeden Morgen um 9 Uhr müssen die Bewohner das Haus wieder verlassen.

Leerstehende Schulgebäude für Menschen  „ohne Rechtsanspruch“

Es geht aber noch schlechter: Im Unterschied zu den Vorjahren wird dieses Mal eine deutliche Trennung zwischen Menschen mit und ohne Rechtsanspruch erfolgen. Obdachlose ohne Rechtsanspruch, das sind aus Sicht der Behörde meist Flüchtlinge aus Afrika oder auch Wanderarbeiter aus Bulgarien und Rumänien. Sie werden ab dem 4. November in eine ungenutzte Schule vermittelt. In der Weedestraße (Horn) und in der Hammer Straße (Marienthal) stehen jeweils 150 Plätze zur Verfügung.

Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) stellte ein Winternotprogramm vor, das mit so vielen Plätzen startet wie nie zuvor.

Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) stellte ein Winternotprogramm vor, das mit so vielen Plätzen startet wie nie zuvor.

Der Unterschied zu den anderen Unterkünften? „Die Menschen kommen in ehemaligen Klassenräumen unter. Die Belegung wird dort höher sein“, so Scheele. Es handele sich bei diesen Obdachlosen meist um Menschen aus ärmlichen Regionen mit geringer Bildung, so Scheele. Zusammen mit der Anlaufstelle für wohnungslose EU-Bürger und dem Flüchtlingszentrum will die Behörde die Hilfesuchenden zu ihren Rechtsansprüchen in Deutschland beraten und ihnen gegebenenfalls Rückkehrhilfen anbieten. „Unsere gemeinsame Aufgabe besteht darin, die Hilfesuchenden offen und ehrlich über ihre Perspektiven in Hamburg zu beraten“, so Scheele. „Niemandem ist geholfen, wenn er mit falschen Hoffnungen nach Hamburg kommt und nicht frühzeitig über seine Chancen aufgeklärt wird.“

Am Freitag startet die Platzvergabe für das Winternotprogramm morgens in der Tagesaufenthaltstätte in der Bundesstraße: 100 Plätze gibt es in Wohncontainern bei unterschiedlichen Kirchengemeinden. Wer hier einen Platz ergattert, der hat eine dauerhafte Bleibe für die Wintermonate sicher. Alle anderen werden sich ab Freitag Abend regelmäßig in der Spaldingstraße 1 anstellen. Obdachlose, die aus Sicht der Behörde keine Rechtsansprüche haben und also nicht in der Spaldingstraße bleiben dürfen, werden abends von hier aus per Shuttle-Bus zu den Unterkünften in den Schulen transportiert.

Keine Lösung bietet das Winternotprogramm bislang für Familien. Sie müssen entweder weiter auf der Straße leben oder werden getrennt untergebracht: Die Eltern im Winternotprogramm, die Kinder beim Jugendnotdienst. Diakoniechefin Annegrethe Stoltenberg sagt dazu: „Natürlich gehören Kinder eigentlich nicht in ein Winternotprogramm.“  Sie plädiert dafür, dass die Stadt dort trotzdem entweder geeignete Plätze für Familien schafft oder sie gemeinsam in regulären Unterkünften unterbringt. „In einer solchen Notsituation dürfen Familien nicht auch noch getrennt werden.“

Text: Jonas Füllner
Foto: Dmitrij Leltschuk

7 Kommentare
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  1. Zynischer gehts kaum noch auf politischer Ebene !! Es gibt so schon die vierte Klassengesellschaft, jetzt kommt noch die fünfte und sechste da zu !! Aber wo kein Kläger ist, gibt es auch kein Beklagten !! Ob das alles so rechtens ist, das man hier auf verschiedenen Maßstäben abwägt, möchte ich doch bezweifeln !! Herr Scheele läßt alle für dumm verkaufen, denn jeder hat seine Rechte, die ihm aber nicht zu gestanden werden !! Warum sollte er auch die Aufklären, die er gar nicht in Hamburg haben möchte, die kosten doch nur Geld !! So etwas nennt sich Weltstadt, oder Hamburg das Tor zur Welt !! Ich frage mal alle Hamburger-Innen, wie würden wir uns verhalten, wenn andere Länder so mit uns umgehen würden ?? Das nach 20 Jahren – Obdachlose, Europäer-Innen, und Kriegsflüchtlinege immer noch keine politische Lobby haben, ist ja schon nicht mehr aus zu halten !! Da wird mit ein Programm herrum gewedelt, was gar kein Programm ist !! Es dient nur da zu, um diese Geldmaschinerie aufrecht zu halten, sie dient nicht den Schwachen dieser Gesellschaft !! Aber das schlimme an der ganzen sache ist ja, das Wohnungsbaugesellschaften, so wie Wohnungsbaugenossenschaften, die aus wählen können, die sie haben möchten, der Rest bleibt draußen !! Herr Karrenbauer von HINZ&KUNZT hat schon recht, wenn er sagt, das es immer mehr werden, statt weniger !! Ich sage nur da zu, eine falsche Sozialpolitik beseitigt keine Obdachlosigkeit, sie produziert sie !! In deiesem Sinn,

    Erich Heeder – HINZ&KUNZT – Verkäufer
    Auf der Suche ……. http://youtu.be/Jl8ctL8DSwQ

  2. Warum sollen immer mehr Menschen aus Polen , Bulgarien , Rumänien aufgenommen werden. Durch diese Personen gibt es nur Probleme in den Unterkünften. Alkohol , Drogen Diebstahl siehe Filmbericht zum Winternotprogramm auf NDR am Dienstag

  3. […] bleiben können. Denn Obdachlose, die aus Sicht der Sozialbehörde keinen Rechtsanspruch haben, sollen in ungenutzten Schulen untergebracht werden. Die beiden Gebäude in Horn und Marienthal stehen aber erst ab Montag zur […]

  4. Den rechtlichen Status der „Obdachlosen ohne Rechtsansprüche“ sollten diese Bürokraten mal etwas näher erläutern. Meines Wissens sind diese sozialrechtlichen Ansprüche einfachgesetzliche Konkretisierungen höchstrangiger Grund- und Menschenrechte aus Art. 1 GG und der EMRK. Es gibt eine Menschen, die von zentralen Menschenrechtsnormen nicht geschützt werden.

  5. Warum dieseMenschen aufgenommen werden sollten? Weil sie Menschen sind…

  6. Diese unfassbar reiche Stadt läßt die schwächsten komplett im Stich, schlimmer noch, sie grenzt sie aus und schweigt sie tot. Jedes Jahr der gleiche Skandal! Wo bleibt die soziale Verantwortung? Wenn es Winter wird werden hektisch und eilig völlig ungeeignete und halbherzige Maßnahmen ergriffen um das allerschlimmste zu vermeiden. Wohnungslose werden in irgendwelche menschenunwürdigen Unterkünfte gepfercht. Das Elend wird verwaltet statt beseitigt. Besonders schlimm: Egal wer gerade regiert, es wird in der Substanz nicht besser. Menschenrechte gelten für ALLE Menschen! Schlimmer als die Menschenrechte ist die völlige Mißachtung der Menschenwürde! Unerträgliche Arroganz!
    Es wird so viel Geld verprasst (Elbphilharmonie), wieviel Wohnungen hätte man für das Geld bauen können?
    Sozial schwache haben keine Lobby, daher wird die unterschwellige Ausgrenzung immer weiter gehen. Alle schauen weg, auch diesen Winter wird es wieder zu Erfrierungen bei Wohnungslosen kommen. Hier muss die Politik in die Verantwortung genommen werden.

    Man kann heute in nullkommanichts sozial abrutschen, dies sollte sich jeder „sozial abgesicherte“ einmal dringend vor Augen halten. Daher sollte vehement die Solidarität derjenigen denen es noch besser geht, eingefordert werden.
    Insbesondere die vielen supereichen Unternehmen der Hansestadt (Otto Versand, Beiersdorf, Airbus, Helm AG) könnten ganz leicht materiell alle Probleme lösen die die politische Führung nicht lösen kann oder will.

    Mir wird wirklich übel das Elend mit anzusehen. Ich schäme mich für diese Stadt. Jeder kann einen Anfang machen indem er z.B. diese sehr gut gemachte Zeitung kauft, Dinge verändern sich immer vom kleinen ins große. Wenn die Politik versagt dann müssen wenigstens die Bürger dieser wunderbaren Stadt zusammenhalten.

  7. Hallo,
    nun meine Stellungname als Mittelstäändler zu dem Prroblem :
    1)Die Menschen, die nach Hamburg kommen,erwarten hier Arbeit und/oder Hilfe.
    Dies Hilfe/Arbeit würden Sie in Ihrer Heimat aber nie erhalten !
    2)Das „Winterprogramm“ ist ein Notprogramm,welches mit geringstem und dennoch
    hohem/teuren Aufwand verhindern soll, daß die Beroffenen,die keiner nach Hamburg
    gezwungen hat, hier keinen bzw. möglichst geringen gesundheitlichen Schaden nehmen !
    3)Wer fordert, die „Standarts“ des Notprogrammes weiter anzuheben wird automatisch
    dafür sorgen,daß mehr und mehr Menschen aus armen Gegenden der Welt
    nach Hamburg gelockt werden. Als Vergleich für die Armut in der Welt ,
    folgendes Beispiel: Ein Nepalese, der 6Monate in Goa/Indien als Gastarbeiter lebt,
    verdient dort 50US$ (nicht pro Monat!!!)…,für diese Menschen,
    die daheim kein Geld für einfachste Nahrung oder Heizung haben,
    ist schon das derzeitige Notprogramm „traumhafter Luxus“ !
    4)Wer glaubt, dennoch die „Standarts“ des Sozialsystems anheben zu müssen und damit
    viele weitere Menschen aus aller Welt anlockt, sollte besser selber aktiev mit Geld und Arbeitskraft
    in diesem Bereich helfen!!!
    Der Ruf nach dem Staat und den „Reichen“ ist kommunistische Träumerei…,wenn die
    Hamburger Firmen keine Profite mehr machen, entlassen Sie Personal,
    welches dann keine Steuern mehr zahlt sondern selber das Sozialsystem belastet…,und der
    „Reiche“ findet auch anderswo auf der Welt eine schöne Stelle zum Leben, wo er weniger
    steuerlich belastet wird ! Wenn diese „Schraube“ überdreht wird, dann bricht das
    Sozialsystem total zusammen…,mal Nachdenken !

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