Endlich Ruhe!

Gibt es in einer Metropole wie Hamburg Orte, an denen es still ist? Hinz&Kunzt hat bei Experten nachgefragt und Oasen im Lärm aufgespürt

(aus Hinz&Kunzt 166/Dezember 2006)

Weihnachten gilt als Fest der Besinnung und Ruhe. Aber gerade an Weihnachten suchen viele die Stille vergeblich. Überall dröhnt Musik, der Fernseher läuft auf Hochtouren, und eine Weihnachtsfeier jagt die nächste. Was macht der Krach mit uns? Und wo findet man sie noch, die stille Nacht? Hinz&Kunzt hat bei den Lärm-Messern in der Hamburger Umweltbehörde nachgefragt.

Krach nervt! Das wissen Hans Joachim Götz und Gernot Pickert aus ihrem beruflichen Alltag in der Hamburger Umweltbehörde. Sie und ihre Messgeräte kommen zum Einsatz, wenn sich irgendwo in Hamburg jemand über zu viel Lärm beschwert. Als Lärm empfindet man Geräusche, die einem nicht gefallen, deren Notwendigkeit man nicht einsieht und auf die man keinen Einfluss nehmen kann. Die beiden messen den Krach an Ausfallstraßen, in Gewerbebetrieben und an Güterbahnstrecken. Auslöser für eine Bürger-Beschwerde kann aber auch ein Nachbar sein, der regelmäßig nachts Trompete übt, oder ein Hausmeister, der immer morgens um 5.30 Uhr prüft, ob sein Laubpuster noch funktioniert. „Der Flughafen, die Autobahnen und der Hafen schlagen die größten Lärmschneisen in die Stadt“, erklärt Gernot Pickert und zeigt auf die Lärmkarten, die im Flur der Messstelle hängen. „Weil sich besonders viele Hamburger über Fluglärm beschweren, gibt es für dieses Problem eigens einen Beauftragten. Alles andere machen wir“, sagt er und nimmt dabei Schallpegelmessgeräte aus dem großen Schrank in seinem Büro. „Mit ihnen lässt sich genau bestimmen, ob gesetzlich vorgeschriebene Dezibel-Werte überschritten werden“, sagt Pickerts Kollege Joachim Götz.

So dürfen zum Beispiel Arbeiter in einer Werkshalle über acht Stunden hinweg nur einem mittleren Wert von 85 Dezibel ausgesetzt sein, sonst müssen sie einen Hörschutz tragen. Zum Vergleich: In der Disko dröhnen im Schnitt 90 Dezibel. Doch trotz der Grenzwerte: Krach ist subjektiv. Ein Sinfonie-Orchester kann genau so laut sein wie ein Presslufthammer, ein tropfender Wasserhahn störender als das stetige Rauschen einer Ausfallstraße. Dazu kommt, dass sich Menschen an Geräuschquellen gewöhnen und sie bewusst gar nicht mehr wahrnehmen. Unbewusst aber leiden wir alle am Krach. Im schlimmsten Fall macht er krank, führt zu Konzentrationsstörungen, Schlafmangel, Bluthochdruck oder zum Hörsturz. Vom Lärm gestört fühlen sich immerhin 62 Prozent der Bundesbürger, das zeigt eine Umfrage des Bundesumweltministeriums. Aber was ist mit der Stille, kann man die auch messen?

„Auch Stille ist subjektiv“, sagt Gernot Pickert. Still ist es für ihn in Hamburg nachts, wenn 40 Dezibel nicht überschritten werden. Wo das so ist? Spontan fallen ihm die Harburger Berge ein, der Ohlsdorfer Friedhof und der Duvenstedter Brook. Aber auch in Hinterhöfen belebter Stadtteile könne es ganz leise sein, weil Mauern so gute Schalldämpfer sind. Und auch in der Innenstadt, am Neuen Wall zum Beispiel, sei es nachts ganz still. Keine Autos, keine Passanten, Stillstand. Ruhe … Endlich!

Katharina Jetter

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