Winternotprogramm

Ein Dank an die Helfer

Mit einem Empfang im Rathaus hat die grüne Fraktion die Arbeit der Ehrenamtlichen gewürdigt, die im Winternotprogramm geholfen haben. Aus Sicht der Helfer war die Lage bei den kirchlichen Wohncontainer entspannter als zuvor. Aber nur wenige Obdachlose konnten in eine Wohnung vermittelt werden.

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Ehrenamtliche Helfer von der Franz-von-Assisi-Kirchengemeinde in Neuallermöhe: Andrea und Oliver Köhler, Arne Ruddat, Kay und Ingrid Sachse (von links)

Die Fraktion der Grünen hatte geladen und etwa 25 Helfer fanden sich beim Empfang zum Ende des Winternotprogramms im Hamburger Rathaus ein. Bei Kaffee, Saft und Sekt bot die Veranstaltung für die Ehrenamtlichen vor allem Raum und Zeit zum Austausch nach dem Wintereinsatz. Die Helfer sind aktiv in Kirchengemeinden, die Obdachlose in Wohncontainern auf ihren Geländen beherbergen, und beim städtischen Unterkunftsbetreiber fördern und wohnen, der in den vergangenen Jahren ein eigenes ehrenamtliches Helfernetzwerk aufgebaut hat.

„Es war diesen Winter viel entspannter als im Vorjahr“, berichtet Ingrid Sachse von der Franz-von-Assisi-Kirchengemeinde. „Das lag sicherlich auch daran, das es nicht so kalt war.“ Zehn Schlafplätze stellt die Gemeinde in Neuallermöhe jährlich bereit. Jeden Abend verbringen die Ehrenamtlichen abwechselnd zwei Stunden mit den Obdachlosen. Einer der Containerbewohner war Hinz&Künztler Andreas, der zuletzt als Studiogast bei Hinz&Kunzt-TV von seinen Erfahrungen im Winternotprogramm berichtete. „In Neuallermöhe fühlte ich mich einfach gut aufgehoben“, so Andreas im Gespräch mit Hinz&Kunzt. „Die haben mit uns auch mal was unternommen. Wir sind zum Beispiel zusammen einen Tag an die Ostsee gefahren.“

Für die Ausflüge wurden Spenden in der Kirchengemeinde gesammelt, so Sachse. „Was uns besonders gefreut hat: Wir konnten fünf von zehn Bewohner im Anschluss in eine Wohnung vermitteln“, so die 60-Jährige. Die Sozialbehörde wertet die Ergebnisse aus dem Winternotprogramm noch aus. Aber jetzt schon ist klar, dass die Bilanz der Franz-von-Assisi-Kirchengemeinde eine Ausnahme ist. Denn die beim städtischen Unterkunftsbetreiber fördern und wohnen sind die Wartelisten lang. Eine Helferin aus dem Jakob-Junker-Haus in Groß Borstel berichtet, dass leider nicht einer der sechs Obdachlosen, die den Winter dort in Containern verbracht hätten, in eine Wohnung vermittelt werden konnte.

Hinz&Künztler Andreas hingegen hatte Glück. Er hat seine neue Wohnung bereits bezogen. Die Sommermonate erneut in einer Massenunterkunft zu verbringen, dass hätte er nicht gewollt. „Da schlafe ich lieber auf der Straße.“

In solch einer Großunterkunft hat in diesem Winter Holger Granzow einige Abende ausgeholfen. Zusammen mit seinem Sohn Niklas hat der 49-Jährige in der Notunterkunft Spaldingstraße Stullen für die hungrigen Obdachlosen geschmiert. Verarbeitet wird das, was die Hamburger Tafel anliefert. „Einmal hatten wir 800 kleine Butterpäckchen aus einem Hotel erhalten. Da mussten wir für jede Scheibe Brot eine neue Portion öffnen“, erinnert sich Granzow an die nicht immer optimalen Bedingungen. Miterlebt hat Granzow, wie es vereinzelt zwischen den Bewohnern zu Gewalt kam. „Ein Bewohner hat die anderen damit genervt, dass er durch alle Zimmer lief und die Lichter angemacht hat“, erzählt Granzow. „Das hat er so weit getrieben, bis ihn einer vermöbelt hat und der Sicherheitsdienst eingreifen musste.“ Solche Erlebnisse haben ihn aber nicht abgeschreckt. „Ich mache das jetzt im zweiten Jahr in Folge und werde das auch im kommenden Winter tun“, so Granzow. Die Familie seiner Frau sei Teil der Kolpingfamilie und daher seit Jahrzehnten sozial engagiert. Diese Tradition führt nun auch Sohn Niklas fort.

Für den 16-Jährigen war es der erste Einsatz als Helfer für Obdachlose. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte. „Ich fand das gut“, sagt 16-jähriger. „Ich habe auch meinen Freunden in der Schule davon erzählt, aber die konnten sich nicht vorstellen mitzumachen.“ Dass ihre Arbeit jetzt mit einem kleinen Empfang gewürdigt wurde, freut die Beiden.

Zuletzt hatte der Senat 2012 einen Empfang für die ehrenamtlichen Helfer veranstaltet. Dass nun die Grünen dieses Projekt wiederbeleben, resultiert aus einer Initiative der Landesvorsitzenden Katharina Fegebank. „Ich bin mit dem Mitternachtsbus für Obdachlose mitgefahren“, so die 37-Jährige. Ein Mitarbeiter hätte berichtet, dass diesen Winter alles gut funktioniert habe. Schade sei allerdings, dass es keinen Empfang für die Ehrenamtlichen mehr gäbe. „Darauf hin haben wir entschieden, einen eigenen Empfang zu organisieren“, so Fegebank.

Text und Foto: Jonas Füllner

Wer sich ehrenamtlich für wohnungslose Menschen und Flüchtlinge engagieren möchte, kann sich an die Freiwilligenkoordination bei fördern und wohnen wenden. Die telefonische Kontaktaufnahme ist mittwochs und donnerstags unter der Telefonnummer 040/42835-3387 möglich.

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