Die Stromsparhelfer der Caritas

Ein Besuch, der Bares bringt

Wie die Stromsparhelfer der Caritas die Energiekosten von Menschen mit wenig Geld senken.

(aus Hinz&Kunzt 242/April 2013)

Wenn sich Ronny von Rossem an die Tipps von STROMBERATER Rolf Krautter hält, muss er demnächst weniger Geld bezahlen. Foto: Dmitrij Leltschuk
Wenn sich Ronny von Rossem an die Tipps von STROMBERATER Rolf Krautter hält, muss er demnächst weniger Geld bezahlen. Foto: Dmitrij Leltschuk

Der Stromfresser steht in der Küche und brummt. Zielsicher steuert Rolf Krautter auf den Kühlschrank zu und fragt: „Darf ich da mal reinschauen?“ Ronny van Rossem nickt. Der 33-jährige Ein-Euro-Jobber hat bei der Caritas um einen Stromspar-Check gebeten. Nun prüft Energieberater Krautter Geräte und Lampen der kleinen Zweizimmerwohnung auf Herz und Nieren. Er stellt Milch und Butter auf den Küchentisch und steckt seinen Kopf ins Innere des Kühlschranks. Volltreffer. „Baujahr 1993. Da würde sich ein Tausch lohnen. Sie können zwischen 30 und 50 Euro im Jahr sparen!“

Krautter zieht einen Flyer aus der Tasche und erklärt das passende Angebot der Stromsparhelfer: Wer sich einen neuen Kühlschrank kauft, erhält 100 Euro Zuschuss plus 40 Euro für die Entsorgung des alten Geräts. „Ein A++-Gerät bekommen Sie schon ab 150 Euro“, weiß der Berater. „Da hat sich die Anschaffung schon in ein bis zwei Jahren amortisiert.“

Der 54-jährige gelernte Bankkaufmann ist seit Start des Projekts im Dezember 2009 dabei. Früher hat Rolf Krautter Versicherungen verkauft, heute bringt er Menschen mit geringem Einkommen Energiesparlampen und gute Tipps – eigens dafür wurde er geschult. Wie seine zehn Kollegen war Krautter längere Zeit arbeitslos und über 50 Jahre alt, als seine Beraterin beim Jobcenter ihm vom „Stromspar-Check“ erzählte. Für den groß gewachsenen Mann mit dem Dreitagebart ist das Projekt so etwas wie ein Sechser im Lotto. „Wenn man die ganze Zeit zu Hause rumsitzt, verblödet man ja“, sagt er rückblickend. Und: Anders als in vielen Städten werden die Stromsparhelfer in Hamburg sozialversicherungspflichtig und dauerhaft beschäftigt. „Ein Ein-Euro-Job wäre für mich ohne Perspektive“, sagt Krautter. „Der läuft zehn Monate und dann bin ich weg.“ Drei Viertel der Projektkosten – 490.000 Euro jährlich – trägt die Stadt, den Rest zahlen Caritas, Erzbistum, Umweltministerium und Arbeitsagentur.

Bevor ein Stromsparhelfer sich verabschiedet, bittet er immer auch darum, bei Freunden und Bekannten für das Projekt zu werben. „Kostenlose Beratung, kostenlose Soforthilfen: Das klingt für viele so unwahrscheinlich, dass sie es nicht glauben können“, berichtet Projektleiter Christoph Dreger. „Die denken: Da muss doch irgendwo ein Haken sein!“ Ist aber nicht. Die Stromsparhelfer kommen, wenn man sie ruft. Einzige Einschränkung: Die zu beratenden Menschen müssen in irgendeiner Form auf staatliche Hilfe angewiesen sein, sei es Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld. Damit gibt es mindestens 110.000 Haushalte in Hamburg, die vom Stromspar-Check profitieren könnten. Genutzt haben das Angebot bislang gerade mal 3600.

Dabei geht es um beachtliche Summen: Durchschnittlich 149 Euro jährlich spart ein Haushalt, der sich beraten lässt, an Energiekosten. Während von geringeren Heiz- oder Wasserkosten in der Regel das Jobcenter profitiert, bedeutet eine niedrigere Stromrechung für Hilfeempfänger bares Geld. Denn Stromkosten müssen sie aus ihrem Regelsatz bestreiten: 22 Euro monatlich sollen laut Bundesregierung für einen Hilfeempfänger reichen, für Projektleiter Dreger ein Ding der Unmöglichkeit: „Ich kenne keinen, der das schafft.“

Ein-Euro-Jobber Ronny van Rossem überweist jeden Monat 42 Euro an seinen Stromanbieter. Energieberater Krautter hat eine gute Nachricht, als er ihm neun Energiesparlampen und eine abschaltbare Steckerleiste vorbeibringt: Um fünf Euro monatlich werden die Stromkosten nun sinken. Das hat Krautter mithilfe eines Computerprogramms errechnet. Die Heizkosten sind zwar sehr hoch, „aber da werden wir nicht viel machen können“, meint der Experte. „Das liegt vermutlich am Altbau.“ – „Das Haus ist über 100 Jahre alt, aber eine Dämmung gibt es hier nicht“, bestätigt van Rossem. „Das Wichtigste wäre dann noch der Kühlschranktausch“, sagt der Stromsparhelfer zum Abschied. Ronny von Rossem nickt. Er will sich bald darum kümmern. •

Infos unter Tel. 18 04 64 22 (Ortstarif) oder im Internet unter www.caritas-hamburg.de

Text: Ulrich Jonas
Foto: Dmitrij Leltschuk

 

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