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Initiative „Sauberes Hamburg“

Dubiose Hetze im Netz

20. Februar 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Eine Initiative hetzt im Internet gegen Hamburger Obdachlose und erntet dafür Empörung im sozialen Netzwerk Facebook. Ist die vielleicht von den Hintermännern kalkuliert? Wer hinter der Initiative steckt, ist jedenfalls unklar.

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„Stoppt die Initiative“: Mit diesem Slogan wird bei Facebook gegen die Hetze mobil gemacht. Bild: Screenshot Facebook.

Die Facebook-User sind empört: „Von welchem Chauvinistenroß aus erlaubt ihr euch eigentlich über Obdachlose zu richten?“, fragt Steffen Vogt aus Marburg. Und Jürgen Braatz schimpft: „Ihr sprecht nicht für meine Stadt. Hamburger seid ihr nicht, haut selber ab.“ Stein des Anstoßes ist die „Initiative Sauberes Hamburg“, die auf ihrer Webseite Stimmung gegen Obdachlose macht. Allerdings so plump, dass es eigentlich nicht ernst gemeint sein kann.

„Wir wollen keine Obdachlosen mehr, die das Erscheinungsbild unserer geliebten Stadt trüben, unsere Grünanlagen beschmutzen und die Hilfsbereitschaft vieler Bürger ausnutzen“, heißt es in der Selbstdarstellung der Initiative. „Wir fordern ein sauberes, schöneres und vor allem obdachlosenfreies Hamburg.“ Kann das ernst gemeint sein? Witzig ist es jedenfalls auch nicht.

Seit Montag gibt es einen Sturm der Entrüstung gegen die Äußerungen der angeblichen Initiative. Die Facebook-Seite „Stoppt die ISHH“ ruft dazu auf, den Obdachlosenhass zu stoppen – und hat dafür binnen kürzester Zeit über 2500 Fans gesammelt. Allerdings weist der Seitenbetreiber auf jeden neuen Artikel auf der Homepage der Initiative hin, verbreitet deren Inhalte also. Auf der Seite ist keine Kontaktmöglichkeit angegeben, hinter der dort beworbenen Petition steckt ein kleines IT-Unternehmen aus dem Harz. Deren Geschäftsführer gibt auf Nachfrage an, seinen Auftraggeber nicht zu kennen.

Die Initiative selbst gibt sich große Mühe, unerkannt zu bleiben. Ihre Internetadresse wurde anonym in den USA registriert, laut Impressum sitzt sie in der Karibik. Außerdem nutzen die Betreiber eine kostspielige Taktik, die ein Auffinden des Servers erschweren. Das so genannte Bulletproof-Hosting wird sonst gerne von Kriminellen benutzt, um ihre Spuren im Netz zu verwischen. Warum jemand so einen Aufwand betreibt, um gegen Obdachlose hetzen zu können, wissen wir nicht.

Anmerkung 21. Februar: Nachdem wir unseren Artikel veröffentlicht und Facebook-User Vermutungen über möglichen Datenklau angestellt haben, entfernten die Betreiber der Facebook-Seite die im Artikel genannte Petition. Begründung: „Wir wollen keinesfalls eure Daten!!! Wir wünschen uns einfach, dass ihr eure Freunde auf uns aufmerksam macht. Dass wir gemeinsam gegen diese widerliche Seite vorgehen!“

Text: Benjamin Laufer

14 Kommentare
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  1. Ich schätze, es soll ein beispielhaft zeigen, wie eine Kampagne im Internet Aufmerksamkeit erlangt – in diesem Falle durch kalkulierten Protest gege die Kampagne.

  2. Nehmt diese abartige Aktion nicht persönlich, aber nehmt sie ernst. Jegliche Äußerungen, daß welche Menschengruppe auch immer verschwinden soll, muß beachtet und geächtet werden. Positiv an der Geschichte sehe ich allerdings, daß viele Menschen auf sie aufmerksam werden und sich mit den Obdachlosen solidarisch zeigen. Die einzige legale Möglichkeit die ObdachlosigKEIT zu bekämpfen ist Schaffung von akzeptablen, finanzierbarem Wohnraum. Im Übrigen gilt : DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR , auch in Täuschland und auch oder gerade für Obdachlose

  3. Initiative aus Hamburg verlangt Säuberung der Straßen wie damals 98 und 2000 CDU und Grüne mit der ISH (Initiative Sauberes Hamburg). Bei der ISH sollten Arbeitslose für 1 Euro die Stunde Parks- und öffentliche Flächen sauber halten, das Projekt ging baden.
    Empörungswelle, cetera etcetera.

    Welche Zeitung oder welches Magazin den Artikel dazu veröffentlicht, bleibt wohl bis dahin ein Rätsel.

  4. Keine Bange viele Facebook-User stehen hinter euch und der Shitstorm wird über ISHH kommen.

  5. Der Stil dieser Aktion erinnert sehr an Aktionen der NPD, wie zum Beispiel „Todesstrafe für Kinderschänder“. Auch diese wurden zum Teil über WhoIsGuard geschützt.
    Es würde mich allerdings auch nicht wundern, wenn das ein Werk von Studenten ist, die sich ein ach so tolles Projekt ausgedacht haben.

  6. Ich habe mir die Seite angeguckt und war im ersten Moment natürlich auch schockiert. Doch nach dem Lesen mehrerer Artikel und Beiträge ist mir klar geworden: DAS IST SATIRE! Genauso wie bei http://www.eltern-im-netz.net spiegeln die Hetzschriften nicht die tatsächliche Meinung der Autoren bzw. Website-Betreiber wieder, sondern oberflächlich die einer menschenfeindlichen Gesellschaft wie wir sie im Deutschland des Kapitalismus nunmal haben.
    Sie wollen auf die Problematiken aufmerksam machen und den Befürwortern solcher augenscheinlichen „Städtesäuberungen“ eine Falle stellen.

  7. Das mit Satire zu verharmlosen halte ich für einen schlechten Witz.

    Wo kommen wir hin wenn plötzlich ein Haufen Leute mit Nazi-Uniform und Hitlergruß durch die Stadt ziehen und dann behaupten man wolle nur darauf aufmerksam machen das es Rechtsradikale in Hamburg gibt, so nach dem Motto Freiheit der Kunst ?

  8. Und nicht zu vergessen, ich habe selbst gesehen das ISHH auf Twitter Follower der NPD Hamburg ist. Das unterschreibe ich sogar unter Eid.

  9. Es handelt sich wohl um Guerilla Marketing Kampagne (https://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla-Marketing), die dazu dienen soll Aufmerksamkeit und eine emotionale Beteiligung bei den Menschen zu erzeugen. Letztendlich wird es darum gehen, ein Produkt zu promoten. Ich vermute, es geht um eine Limonade, bei deren Kauf x Cent für einen „guten Zweck“ gespendet werden. Früher (vor dem Internet) war das mal „saufen für den Regenwald“, beim Kauf einer Kiste unseres Biers, retten sie 1m² Regenwald.
    Das klappt aber alles nur, wenn die Urheber im Dunkeln bleiben, damit alles aussieht wie echte soziale Interaktionen.
    Am Besten wird es sein, diese bescheuerte Kampagne nicht zu beachten. Irgendwann müssen sie sich ja mal outen, sonst haben sie das ganze Geld für die Kampagen umsonst ausgegeben.
    Davon abgesehen ist es richtig dreist, diese sozialdarwinistischen Statements für Werbung zu benutzen,. Den Leuten geht es nicht darum, die beschissene Situation der Obdachlosen zu verdeutlichen oder zu verbessern, sondern darum Kohle zu machen. Als Werber muss mensch wohl sein Gewissen zuerst abgeben.

    Anmerkung der Redaktion: Wir haben diesen Kommentar gekürzt, da er unzulässige Unterstellungen enthielt.

  10. Auch ganz interessant ist der Artikel auf hh-mittendrin.de

    http://hh-mittendrin.de/2013/02/initiative-sauberes-hamburg-hetze-satire-datenklau/

  11. Ich bin auch der meinung, dass es nicht ernst gemeint ist… da z.b. artikel von der TAZ gepostet werden.
    Welcher rechtspopulist würde denn die TAZ als quelle zitieren?

  12. […] […]

  13. Ist es nicht egal welchen Zweck die Seite verfolgen soll? Ist es wichtig ob es Satire oder Werbekampagne ist?
    Fakt ist das diese Seite seit mittlerweile 1 Woche Ansichten veröffentlicht die definitiv die Obdachlosen und andere sozialschwache Gruppen diskriminiert und Jugendliche und andere von rechtem Gedankengut gefährdete Menschen in ihren Ansichten in negative Richtung lenkt.
    Und das ist egal welchen Zweck die Seite verfolgen soll nicht akzeptabel.
    Ignorieren und verharmlosen solch eine Seite ist jedenfalls gefährlich.

  14. Danke für die Aufklärung. Das Bulletproof-Hosting kannte ich noch nicht. Wir hatten versucht herauszufinden, wer der Urheber die von SAUBERES HAMBURG waren, sind denen aber nicht auf die Spur gekommen und dachten, es wären Nazis. Am Ende stellt sich heraus: Blöde PR-Initiative von unreifen Jungs.

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