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Die Zeichen der Zeit erkannt

29. April 2010 | Von | Kategorie: Archiv, Hinz&Kunzt 166/Dezember 2006

Der Senat will rund 90 Millionen Euro in armen Stadtteilen investieren

(aus Hinz&Kunzt 166/Dezember 2006)

Birgit Müller

Das war Realsatire: Die CDU-Fraktion und der Senat legten ihr Programm vor, wie sie Hamburgs armen Stadtteilen und deren Bewohnern helfen wollen – und zwar am Timmendorfer Strand, im Fünf-Sterne-Hotel Seeschlösschen. Trotzdem: „Der Senat hat die Zeichen der Zeit erkannt“, sagt Dirk Hauer, Fachbereichsleiter im Diakonischen Werk Hamburg.


Die Zeitungen, selbst die überregionalen, waren voll davon in den vergangenen Monaten: Beim Thema Kinderarmut liegt Hamburg bundesweit vorn, und auch die Bildungschancen für Benachteiligte sind denkbar schlecht. Diese Botschaft haben Bürgermeister Ole von Beust und seine Christdemokraten deutlich vernommen.

42 Millionen Euro will der Senat bis 2011 in Bildung investieren: Ab kommendem Schuljahr sollen die ersten Klassen in 67 Grundschulen mit sozialer Problemlage aus höchstens 20 Schülern bestehen. 200 Lehrer sollen nach und nach eingestellt werden und 30 Erzieher in Ganztagssschulen. Kinder, die nicht in eine Kita gehen und sprachlich gefördert werden müssen, sollen ein kostenloses Vorschuljahr erhalten.Die in den vergangenen Jahren um 35 Prozent gekürzte Stadtteilförderung wird wieder belebt. Den Schwerpunkt seines Hilfsprogramms setzt der Senat dabei in sechs Stadtteilen: Billstedt, Altona-Nord, Lohbrügge-Ost, Wilhelmsburg, Steilshoop und Friedrichsberg.

Dirk Hauer ist nach Gesprächen mit der Stadtentwicklungsbehörde sicher: „Die meinen es ernst. Sämtliche Fördermittel des Bundes werden abgegriffen – das bedeutet, dass Hamburg bereit ist, die nötigen Mittel zur Kofinanzierung aufzubringen.“

Neu: 22 Nachbarschaftszentren für junge Familien will der Senat einrichten. Veranschlagte Kosten: jeweils 47.000 Euro.

Schwach auf der Brust ist die CDU beim Thema Arbeit, kein Wort dazu im Programm. Da haben die Kollegen von GAL und SPD bessere Ideen, und auch die Diakonie erarbeitet derzeit Vorschläge. Eine Idee der SPD ist besonders charmant: Die Stadtentwicklungsbehörde soll nicht in die HafenCity umziehen, sondern in einen benachteiligten Stadtteil. Das würde die Wirtschaft vor Ort sofort ankurbeln. Vielleicht würde es Berührungsängste abbauen, so dass politische Patzer wie die Präsentation im Seeschlösschen in Zukunft ausgeschlossen wären.

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