Kranke Obdachlose im Winter : „Die schlimmste Kombination: Kälte und Nässe“

Für die Gesundheit von Obdachlosen ist es am Schlimmsten, wenn Kälte und Nässe zusammenkommen, sagt der Arzt Stanislaw Nawka. Er behandelt seit 20 Jahren Obdachlose für die Mobile Hilfe der Caritas und fordert, das Winternotprogramm ganztägig zu öffnen.

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Dafür bekam Stanislaw Nawka sogar das Bundesverdienstkreuz: In seiner Freizeit hilft der Allgemeinmediziner kranken Obdachlosen.

Hinz&Kunzt: Herr Dr. Nawka, wenn Sie mit der Mobilen Hilfe der Caritas unterwegs sind: In welchem gesundheitlichen Zustand treffen Sie die Obdachlosen an?

Stanislaw Nawka: In meiner 20-jährigen Arbeit musste ich feststellen, dass Obdachlose viel kränker sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Im Winter haben wir natürlich mehr zu tun. Die schlimmste Kombination ist die von Kälte und Nässe. Das vertragen wir nicht – und Obdachlose erst recht nicht. Sie haben schließlich kaum Möglichkeiten, ihre Kleidung zu trocknen und sich aufzuwärmen. Und irgendwo bei McDonalds zu sitzen oder auf einem Flur oder in einem U-Bahn-Tunnel geduldet zu sein, ist nicht der Hit.

Um welche Krankheiten handelt es sich in der Regel?

Erkältungskrankheiten natürlich, aber auch Hautkrankheiten. Das ist dem Umstand zuzuschreiben, dass die Menschen auf der Straße leben, dass die hygienischen Bedingungen schlecht sind.

Wir erleben die Obdachlosen oft sehr erschöpft …

Diese Erfahrung kann ich teilen. Viele Obdachlose haben mehrere Krankheiten, weil sie sich nicht regenerieren können. Sie können nicht richtig auftanken. Ihnen fehlt der Ruhepol mit der Akku-Aufladestation. Sie sind auch in ihrer ganzen Konstitution schlechter dran als die Durchschnittsbürger.

Sie unterstützen ja unsere Forderung nach einer ganztägigen Öffnung des Winternotprogramms.

Ja, ich finde es wichtig, dass Obdachlose ein Dach über dem Kopf bekommen, dass sie den ganz normalen menschlichen Bedürfnissen nachgehen können: schlafen, aufstehen, essen – und im Warmen bleiben. Sich nicht rumdrücken müssen. Das braucht jeder Mensch. Und Obdachlose sind Menschen wie du und ich – nur noch kränker.

Dr. Stanislaw Nawka, 55, ist seit 20 Jahren im Einsatz für die Mobile Hilfe

Das Winternotprogramm auch tagsüber öffnen! Unterstützen Sie unsere Onlinepetition!

Interview: Birgit Müller
Foto: Mobile Hilfe

3 Kommentare zu “„Die schlimmste Kombination: Kälte und Nässe“

  1. In jeder Gesellschaftsordnung gibt es Menschen die gestrandet sind. Das kann durch eigenes Verschulden oder auch bedingt durch das Schicksal sein. Trotzdem ist die die Gesellschaft in der sie leben verpflichtet ihnen zu helfen. Alleine die humanitäre Einstellung verpflichtet dazu. Wenn Milliarden Euro kurzfristig zur Rettung der Banken zur Verfügung stehen, deren Notwendigkeit sie durch eigene Misswirtschaft verursacht haben, wenn Millionen Euro für die Unterstützung für Flüchtlinge ebenfalls kurzfristig zur Verfügung stehen dann kann auch das notwendige Geld zur Hilfe für Obdachlose zur Verfügung stehen. Da muss nicht drüber debattiert werden. Also tut endlich das wofür ihr Volksvertreter gewählt wurdet, unternehmt auch etwas für die Menschen die zu dem Volk gehören deren Interessen ihr versprochen habt zu vertreten.

  2. Das es da draußen nicht der Hit ist, kann ich bestätigen. Denn wir müssen ja auch immer früh raus, um die Hinz&Kunzt zu verkaufen, und das Stunden lang !! Das sich nun der Arzt der Mobilen Hilfe uns anschließt, kann nur helfen !! Es können nur noch mehr werden, die sich hier eintragen, und Kommentare schreiben !! Vielleicht sollten wir mal die besten Kommentare sichtbar machen ??

  3. Auf der einen Seite toll, daß es Menschen gibt, die sich sozial (z.B. eben für Obdachlose) engagieren.
    Auf der anderen Seite hat jeder Mensch eigentlich das Recht auf eine eigene Wohnung. So gesehen, dürfte es gar keine Obdachlosen geben.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß Städte sogar lügen, damit sie Obdachlosen keine Wohnung geben müssen – z.B. wird behauptet, daß es keine freien Wohnungen gibt.

    Ich selbst habe nur dadurch eine Wohnung von der Stadt-Wohnbaugesellschaft bekommen, weil ich nachweisen konnte, daß es leerstehende Objekte gibt und ich gedroht habe, die Stadt zu verklagen.

    Meine Empfehlung an alle Notleidenden: Geht in die Armen-/Sozialwohnungsviertel und schaut und hört Euch dort direkt um, welche Wohnungen vermietet sind und wo möglicherweise doch was frei ist und nagelt die Gemeinden dann direkt auf solche freien Unterkünfte fest.

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