Leerstand trotz Wohnungsnotstand

Die leerstehende Villa

Während die Wohnungsnot immer schlimmer wird, stehen etliche Häuser in der Stadt leer. Wie die Villa Behnke in Horn.

Kein Platz in dieser Herberge: Maria und Josef vor der verrammelten Tür der Villa Behnke.

Weiß strahlt die Villa Behnke über die Horner Landstraße. Doch wer näher rangeht sieht: Das Haus ist nicht gut in Schuss. Tür und Fenster sind verrammelt, aus dem Klingelkasten hängen Drähte. Hier soll keiner rein. Dabei steht die Villa seit Jahren leer.

Das wollten Aktivisten nicht länger hinnehmen – und besetzten sie, wenn auch nur für einige Stunden. Genauso geschah es in einem Haus auf St. Pauli und in einem der Grindelhochhäuser. Eigentümerin der Horner Villa ist die Stadt.  Die sollte eigentlich die erste sein, die leere Häuser nutzt. Zumal der Senat jetzt ein verschärftes Wohnraumschutzgesetz verabschiedet hat.

Es ist kaum zu ertragen, dass das Haus verrottet und hier keiner wohnen darf, wo doch Tausende Hamburger verzweifelt auf Wohnungssuche sind. Wie absurd das ist, kann nicht oft genug gesagt und gezeigt werden. Finden wir und finden auch India und Philipp, die für die Fotos zu dieser Strecke Maria und Josef darstellen. Doch kaum haben wir in Horn mit unseren Aufnahmen begonnen, fährt die Polizei vor. Freundlich, aber unmissverständlich machen die Beamten uns klar: Das Shooting ist vorbei.

Und: Redakteurin, Fotograf und Darstellern drohen Strafanzeigen – wegen Hausfriedensbruch. Zufällig sind die Polizistennicht vorbeigekommen, ein Anwohner hatte angerufen. Das gehört zur Katastrophe Wohnungsnotstand: Ihr Ausmaß ist offenbar noch nicht bei allen angekommen.

Text: Beatrice Blank
Foto: Gunnar Nicolaus

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