Der Herr der Ampeln

Swaantje Böckmann besuchte Jörg Tippe, den Chef der Hamburger Leitzentrale

(aus Hinz&Kunzt 179/Januar 2008)

Jeden Morgen fahre ich mit dem Fahrrad zur Schule. Zwei Kilometer, von Groß Borstel nach Alsterdorf. Drei Ampeln. Ehrlich gesagt: Wenn ich es eilig habe, ist mir egal, ob die rot sind. Vor allem auf dem Weg nach Hause.

Aber wer entscheidet eigentlich, wann die Ampel rot wird? Das wollte ich herausfinden. Und besuchte die Verkehrsleitzentrale im Polizeipräsidium Hamburg-Alsterdorf.

Am Eingang wurde ich von Leitzentralen-Chef Jörg Tippe abeholt, dem „Herrn der Ampeln“. Auf sein Kommando müssen alle Autofahrer Hamburgs hören. Na ja, fast alle – aber dazu später mehr …

Ich hatte mir die Leitzentrale riesig vorgestellt – immerhin sind die Polizisten hier für 1735 Ampeln verantwortlich. Aber die Verkehrsleitzentrale besteht nur aus einem Raum, der etwas größer ist als ein Klassenzimmer. 20 Menschen arbeiten hier rund um die Uhr. An einer Wand sind viele Bildschirme angebracht. Jeder Monitor zeigt das Bild einer der 65 Kameras, die in Hamburg den Verkehr an großen Kreuzungen und der Autobahn beobachten. Wenn es Stau gibt, informieren die Polizisten die Radiosender.

Um Verbrecher zu observieren und zu überführen, werden die Kameras nicht benutzt – das ist wegen des Datenschutzes verboten. Obwohl es möglich wäre: Als der Chef der Verkehrsleitzentrale mal aus der Laeiszhalle kam – es war ein Jazzkonzert, die hat der Herr der Ampeln gerne – riefen ihn die Kollegen an, damit er ihnen zuwinkt. Die konnten ihn nämlich mit einer Kamera sehen.

Damit der Verkehr möglichst flüssig läuft, wird zwischen „Ampelschalt-Programmen“ durchgewechselt. Die legen fest, wann welche Ampel rot wird. In der „Rush-hour“, wenn alle vom Job nach Hause fahren, haben die Autos beispielsweise längere Grünphasen. Bei ungewöhnlichen Ereignissen wie Baustellen, Unfällen oder Glatteis werden Sonderprogramme verwendet. Aber auch an normalen Werktagen wird 450 Mal zwischen den Programmen gewechselt.

Wenn Staatsbesuch in Hamburg ist, wird ein Sonderprogramm geladen. Damit gekrönte Häupter nicht an der roten Ampel warten müssen.

Manche Autofahrer können die Kommandos der Verkehrsleitzentrale aber außer Kraft setzen. Die Feuerwehr kann beispielsweise die Grünphasen der Ampeln beeinflussen, damit die sie schneller zum Einsatzort kommen.

Aber auch Busfahrer können mit einem Knopf die Ampeln vor sich steuerm: Der wird gedrückt, wenn der Bus auf eine grüne Ampel zufährt, dann wird sie nicht rot.

Bei so viel Technik geht auch mal was kaputt. Damit es nicht zu Unfällen kommt, hängt in der Verkehrsleitzentrale ein großer Stadtplan. Jede Ampel hat da ein kleines Licht – wenn das rot ist, müssen Techniker alarmiert werden.

Swaantje Böckmann

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