Der Bastler

Michael Franzke „pimpt“ Fahrräder. Eine Leidenschaft, die sich auszahlt, wie Markus Bruhn von ihm erfuhr.

(aus Hinz&Kunzt 179/Januar 2008)

Michael Franzke steht hinter dem Tresen seines Ladens in der Müggenkampstraße, Leuchtröhren erhellen den auf halber Kellerhöhe liegenden Raum. Der 38-jährige AC/DC-Fan zeigt auf ein Fahrrad, das rechts von ihm an der Wand steht: „Mein Lieblingsstück, die ‚Queen‘. Da steckt einige Arbeit drin.“ Das lang gezogene, tief liegende Gestell mutet an wie eine Harley.

Gewöhnliche Fahrräder sucht man im „Juniors-Club“ vergebens. Hier hat jedes Modell seinen eigenen Charakter, durch aufwändige Bemalung, breite Reifen oder extravagante Formen. Michaels Kunden wissen das zu schätzen. „Quer durch die Gesellschaft kaufen hier Leute Räder“, sagt er.

Die Szene fahrradbegeisterter Bastler lebt: Zum alljährlichen „Halloween-Cruise“ in Hamburg kamen vergangenes Jahr 300 Biker auf ihren teils skurrilen fahrbaren Untersätzen (und mindestens ebenso kreativen Kostümen), um entspannt durch die City zu radeln. Einmal im Monat treffen sich die „Cruiser“ zum Stammtisch, manche von ihnen schrauben zwischendurch im Kollektiv an ihren Kult-Fahrzeugen.

Michael kam gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Junior auf die Idee, das „Pimpen“ von Fahrrädern, bis dahin Hobby, zu professionalisieren: „Nach 13 Jahren Wehrdienst und Pädagogik-Studium bei der Bundeswehr stand ich vor der Frage: Was nun?“ Die beiden gründeten den „Juniors-Club“ mit zwei Geschäften, einmal in der Osterstraße und eben in der Müggenkampstraße, und die Schraubergemeinschaft „Elbcoast Psycles“.

Deren Name wurde durch die MTV-Serie „Pimp my Fahrrad“ bekannt, in der die Bastler rostige, altersschwache Räder in Luxusgefährte mit allerlei Schnickschnack verwandelten. Neue Folgen wird es nicht geben, sagt Michael. Mit der Fernsehpräsenz hat es sich also „ausgepimpt“ – doch hat die mit den Bastlern so wenig zu tun wie ein Fahrradladen mit Pädagogik.

Markus Bruhn

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