„Durchaus melancholisch veranlagt“: Musical-Star Carolin Fortenbacher

Sie sang fünf Jahre lang im Musical „Mamma Mia“ – ein überaus heiteres Stück. Nun ist Carolin Fortenbacher ab Mai im Altonaer Theater als das geheimnisvolle „Orangenmädchen“ zu sehen.

(aus Hinz&Kunzt 219/Mai 2011)

Carolin Fortenbacher ist eine Powerfrau – die ab und an ins Grübeln kommt.
Carolin Fortenbacher ist eine Powerfrau – die ab und an ins Grübeln kommt.

Sie ist oft hier. Besonders gern in der Mittagszeit. Powert sich richtig aus, läuft, schwitzt, trainiert. Sie kennt das Fitnesscenter Kaifu Lodge bestens, hat hier früher mal als Aerobic Trainierin gearbeitet, um ihre Ausbildung als Sängerin und Tänzerin zu finanzieren. „Ich komme vom Tanz und der Bewegung her“, erzählt Carolin Fortenbacher: „Ich brauche den körperlichen Ausgleich. Wenn ich zu lange rumhocke, zucken mir sofort die Beine.“ Bei ihr zu Hause steht ein kleines Trampolin, so entspannt sich die 47-Jährige. Zum Glück hat sie eine Altbauwohnung mit schön hohen Decken – und vor allem hat sie sehr tolerante Nachbarn.
Zum Sport kam sie über ihren Vater, der ist Sportlehrer: „Mit drei Jahren stand ich das erste Mal auf Skibrettern, danach sind wir immer in den Frühjahrsferien ins Wallis gefahren, ich immer volle Kanne die Berge hinunter.“ Als Jugendliche wird sie eines Tages gefragt, ob sie nicht in den Schweizer Kader will: zum Riesenslalom. Aber sie ist doch Hamburgerin! Und außerdem hat sie andere Pläne: Sie will Sängerin werden; sie will auf die Bühne.
Und es klappt! Sie bekommt eine erste Rolle, bei der sie nicht nur tanzen, sondern auch singen soll. Dabei dachte sie zunächst, das Singen falle einem so zu, merkt aber bald, was es an Technik und Routine verlangt – und sie beginnt eine Gesangsausbildung. Schritt für Schritt geht sie beharrlich ihren Weg. Dann wird sie erfolgreich! Fünf Jahre singt sie eine der tragenden Rollen im ABBA-Musical „Mamma Mia“, das im Operettenhaus auf dem Kiez aufgeführt wird. Sie spielt in Fernsehserien mit, nimmt Platten auf, hat einen Hit, erarbeitet sich ein Programm mit Balladen.


Jetzt steht etwas Neues an:
Demnächst spielt sie am Altonaer Theater in einer Musicalfassung des Romans „Das Orangenmädchen“ des norwegischen Autors Jostein Gaarder. Ein trauriges, ein ergreifendes Buch, das von der Liebe und dem Tod erzählt: Georg geht noch in den Kindergarten, als sein Vater stirbt. Er hinterlässt ihm eine Kinderkarre, in dem Georg eines Tages einen Brief findet, den ihm sein Vater damals geschrieben hat. In diesem Brief erzählt er von dem Orangenmädchen, in das er sich einst unsterblich verliebt hat. Georg will wissen, wer dieses Orangenmädchen ist. Er wird es finden – und noch einmal seinem Vater ganz nah sein.
„Der Tod gehört zum Leben“, sagt Fortenbacher  – und weiß natürlich, dass das so ein Allerweltsatz ist. Aber sie lässt nicht locker: „Ich hab das immer positiv gesehen, dass irgendwann die Zeit da ist, wo ein Mensch gehen muss.“ Schade, wenn es zu früh ist, wenn es durch Krankheit geschieht. Sie selbst ist noch nie nah dran gewesen, aber sie kann sich gut an Benefizauftritte für die Phönikks Stiftung für Familien krebskranker Kinder und für die Sternbrücke erinnern: „Dort zu sehen, wie die Kinder mit dem bevorstehenden Tod umgingen, daran musste ich immer wieder denken, als wir jetzt zu proben anfingen.“

Denn das war keinesfalls einfach: „Da gibt es die Szene, wo Georgs Vater seiner Frau sagen muss, dass er nicht mehr lange zu leben hat“, sagt sie und macht eine Pause: „Wie soll man da als Schauspieler rangehen? Und es ist gleich die erste Szene des Stückes!“ Sie holt einmal tief Luft: „Wir haben echt daran zu knappsen gehabt. Wir kamen nicht in das Stück rein; wir wussten, wir müssen das hinbekommen – ohne dass diese Szene nun megadramatisch wird und alle folgenden Szenen danach nur noch abfallen.“ Doch dann fanden sie eine Lösung: „Irgendwann haben wir einfach das ganze Nachdenken zur Seite geschoben und drauflosgespielt – dann hatten wir die Szene in der Hand.“

Die ersten Proben liegen mittlerweile hinter ihr, sie ist voller Vorfreude: „Ich bin jetzt total begeistert. Wir sind eine super Truppe, wir sind zu viert die ganze Zeit auf der Bühne. Es ist wunderschöne Musik und das Stück wird keinesfalls schwermütig ausfallen; es wird sehr zauberhaft, traumhaft, poetisch.“ Und keinesfalls kitschig soll es werden – das ist versprochen. „Es ist einfach mal ein ruhiges Stück. Ich muss nicht rumpowern wie eine Wahnsinnige“, schwärmt sie noch. „Ich bin durchaus melancholisch veranlagt, obwohl ich nach außen sehr fröhlich bin. Das ist die andere Seite, die ich eben auch habe.“

Text: Frank Keil
Foto: Daniel Cramer

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