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Soziale Stadt

Gesundheit für alle!

28. Januar 2014 | Von | Kategorie: Hinz&Kunzt 252/Februar 2014

Die 5. Konferenz zur sozialen Spaltung befasst sich mit der „Bedeutung öffentlicher Güter“ wie Bildung und Mobilität. Christa Böhme vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin spricht über Gesundheitsförderung und Prävention in benachteiligten Quartieren. Hinz&Kunzt hat sie erzählt, wie man gerade ärmeren Menschen helfen kann, gesund zu bleiben.

(aus Hinz&Kunzt 252/Februar 2014)

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Christa Böhme ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Institut für Urbanistik und begleitet das Programm „Soziale Stadt“.

Hinz&Kunzt: Was versteht man überhaupt unter einem öffentlichen Gut?
Christa Böhme: Was alles als öffentliches Gut gelten soll, darüber kann man streiten. Laut Definition darf von einem öffentlichen Gut niemand ausgeschlossen werden. Es darf keine Rivalität um dieses Gut geben und keinen Markt darum. Der Staat stellt öffentliche Güter zur Verfügung und finanziert sie aus Steuern und Abgaben.

Ihr Thema ist die „Gesundheitsförderung und Prävention als Teil der sozialen Infrastruktur in benachteiligten Quartieren“. Sind Gesundheitsangebote öffentliche Güter?
Was die Grundversorgung in Deutschland angeht, ist das tatsächlich der Fall. Im Notfall wird jeder versorgt. Schwieriger wird es bei darüber hinausgehenden Leistungen. Die kann sich nicht jeder leisten. Erst recht gilt das für Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention, die dazu beitragen sollen, dass Menschen erst gar nicht krank werden. Zwar gibt es alle möglichen Angebote vom Kochkurs bis zur Rückenschule – aber oft müssen sie privat bezahlt werden. Die finanzielle Hürde schließt viele Menschen aus, gerade die, die die Gesundheitsförderung dringend benötigen würden.

Wieso brauchen manche Menschen solche Angebote dringender als andere?
Ein wichtiger Faktor ist finanzielle Armut. Die geht oft einher mit geringer Bildung und einem niedrigen beruflichem und sozialem Status. Das sind Faktoren, die die Gesundheit beeinträchtigen. Arme Menschen haben ein größeres Krankheitsrisiko und eine gravierend kürzere Lebenserwartung. Das liegt daran, dass Menschen mit geringem sozialen Status eher in gesundheitsschädlichen Umwelten leben und arbeiten, dass sie häufig über geringere Ressourcen zur Bewältigung psychischer Belastungen verfügen und oft ein weniger bewusstes Gesundheitsverhalten zeigen. Und zum Yoga, Tai Chi und zur Rückenschule gehen in der Regel auch eher Leute aus der Mittelschicht.

Woran liegt das? Solche Angebote sind doch offen für alle?
Zunächst gibt es diese Kurse selten in sozial benachteiligten Quartieren. Örtliche Nähe ist aber ein wichtiger Faktor, um Gesundheitsangebote attraktiv zu machen.

Wie muss ein Angebot gestaltet sein, damit es von Menschen in benachteiligten Quartieren angenommen wird?
Es hat sich bewährt, wenn die Kurse da angedockt sind, wo die Menschen sowieso hingehen, etwa an Kitas und Schulen. Kulturelle Eigenheiten der Zielgruppe müssen bedacht werden: Wenn ich Schwimmen in einem Viertel mit vielen muslimischen Frauen anbiete, muss es möglich sein, einen Burkini zu tragen. Und ich darf die Menschen nicht schon durch die Formulierung abschrecken. Zum „Vortrag über gesunde Ernährung im Alltag“ kommt keiner, zum Frauenfrühstück ins Stadtteilcafé schon. Da kommt das Gespräch dann automatisch auf Ernährungsfragen.

Interview: Beatrice Blank
Foto: David Ausserhof

Das Programm „Soziale Stadt“, das 1999 startete, soll benachteiligte Quartiere fördern und die Lebensbedingungen der Menschen in rund 600 Programmgebieten verbessern. Aktuell sind sieben Hamburger Quartiere dabei: Billstedt/Horn, Steilshoop, Veddel, Lohbrügge-Ost, Neugraben-Zentrum, St. Georg-Mitte und Langenhorn/Essener Straße. Bis 2012 haben Bund und Länder rund drei Milliarden Euro für das Programm bereitgestellt. 2011 hat die Regierung ihre Beitrag von zuvor 95 Millionen Euro auf 28 Millionen Euro reduziert. 2012 und 2013 lag der Beitrag bei je 40 Millionen Euro.

Wasser, Strom, Bildung – zur Bedeutung öffentlicher Güter für eine soziale Stadt, 5. Konferenz zur sozialen Spaltung, Do, 13.2., 10–17 Uhr, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Berliner Tor 21, 15/5 Euro, Anmeldung bis 7.2. an hamburg@akademie.nordkirche.de, mehr Infos: www.hamburg-stadtfueralle.de

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