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Das Abc vom Müll

Der Brasilianer Benedito da Silva sammelt Müll fürs Überleben – wie viele der so genannten Catadores. Ihre Arbeit auf der Mülldeponie in Sao Paulo ist gefährlich und anstrengend. Seit sich die Müllsammler in einer Kooperative organisieren, hat sich ihre Situation entscheidend gebessert.

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(aus Hinz&Kunzt 221/Juli 2011)

Das Buch gefiel ihm: ein Bildband mit beeindruckenden Schwarz-Weiß-Fotos brasilianischer Minenarbeiter, die unter Tage Gold schürfen, aufgenommen von dem berühmten Fotoreporter Sebastião Salgado. 50 Euro hätte es im Buchhandel gekostet. Ein Vermögen für Benedito da Silva. Zum Glück fand er es an seinem Arbeitsplatz – im Müll. Benedito arbeitete damals als Catador – als Müllsammler auf einer wilden Müllkippe am Berg Morro do Mirante, rund 50 Kilometer von der brasilianischen Metropole São Paulo entfernt.

Bücher werden in seinem Leben noch wichtig sein. Beneditos Arbeit war gefährlich und anstrengend, mit dem Handwagen musste er den Müll kilometerweit transportieren. Viele der Müllsammler wurden krank, ihre Kinder gingen nicht zur Schule. Doch da Silva hatte keine Wahl: Er musste sich, seine Frau und acht Söhne irgendwie durchbringen.

Mit ihm waren über 180 Familien – auch Frauen und Kinder – auf der illegalen Deponie unterwegs, auf der die Bewohner São Paulos ihren Müll entsorgten. „Ich schämte mich für meine Arbeit“, erzählt er, „dabei war es doch wichtig, was wir für unser Land leisteten.“

Alles änderte sich, als die Kulturgeografin Luciana Lopez mit ihren Studenten auftauchte und das Elend sah. Sie hatte eine Idee: Die Müllsammler könnten doch eine Kooperative gründen, ihr eigener Arbeitgeber werden und so ihre Situation verbessern. „Sie hat mich angesprochen, ob ich bei der Kooperative mitmachen wollte“, sagt Benedito da Silva. Er wollte, wurde eines der Gründungsmitglieder der Kooperative Avemare. Doch er konnte weder lesen noch schreiben, wie viele seiner neuen Kollegen: „Ich war ja nur zwei Jahre auf der Schule.“

Wie sollten sie den Papierkram für die Kooperative bewältigen? „Nicht schreiben können ist scheiße“, fand er und begann, mit den Büchern, die er im Müll fand, sich selbst das Lesen beizubringen. In den Pausen kamen nach und nach seine Kollegen dazu, sie halfen sich gegenseitig beim Lesen und Schreiben. Schließlich erhielt Benedito einen Raum, um die Bücher zu sammeln und zu verwalten. Mittlerweile ist sein Bücherhunger einigermaßen gestillt – jetzt spendet er Bücher für Bibliotheken und Schulen. „Bücher sind wertvoll“, hat er gelernt.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der Juli-Ausgabe von Hinz&Kunzt.

Fotos: Mauricio Bustamante
Text: Misha Leuschen

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