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Lohnpreller

Arbeiten zum Nulltarif

26. Februar 2013 | Von | Kategorie: 2013: Hinz&Kunzt 239-250, Archiv, Hinz&Kunzt 241/März 2013

Seit einem Jahr warten acht Bulgaren auf ihr Geld, haben sogar Titel vor Gericht erwirkt. Ihr Arbeitgeber hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Trotzdem gibt es noch Hoffnung, dass sie ihr Geld bekommen.

(aus Hinz&Kunzt 241/März 2013)

Erhan Dailov hofft immer noch darauf, dass er sein Geld bekommt.

Erhan Dailov hofft immer noch darauf, dass er sein Geld bekommt.

Im Juli 2011 hatte es Erhan Dailov endlich geschafft. Dachte er zumindest. Der Bulgare konnte sich von seiner Arbeit ernähren – und hatte mit seiner Frau und seinen beiden erwachsenen Söhnen eine eigene Wohnung. Okay, das Geld, das er als Selbstständiger bei GDG Global Dienstleistung GmbH bekam, wurde oft verspätet bezahlt, aber immerhin! Und die Arbeit machte ihm Spaß. Morgens wurden er und seine bulgarischen Kollegen mit dem Minibus abgeholt und auf das Firmengelände der Spedition Fiege gefahren. Dort war die GDG Global Dienstleistung als Subunternehmen tätig. Zehn bis 13 Stunden klebten Dailov und seine Kollegen Etiketten auf Spirituosen, verpackten sie und stapelten sie auf Paletten. Sieben Euro brutto pro Stunde waren vereinbart.

In Spitzenzeiten konnten sogar Dailovs Frau und seine Söhne mitarbeiten. Ab September allerdings zahlte Geschäftsführer Cengiz T. nicht mehr. Die Männer wurden immer wieder vertröstet – und weiterhin zur Arbeit gefahren. Erhan Dailov wollte die Hoffnung nicht aufgeben. Im Oktober gab es wieder kein Geld. Den Dailovs ging langsam die Puste aus. „Unsere Ersparnisse gingen zu Ende und wir mussten uns Geld von Freunden leihen“, sagt der 46-Jährige.

Ende Oktober 2011 schmiss er deswegen den Job hin. Zusammen mit acht Kollegen suchte er Hilfe bei einer bulgarisch sprechenden Anwältin: Viktoria Müller. Die erstritt vor Gericht Titel in Höhe von insgesamt 13.366,81 Euro. Dann der Schock: Viktoria Müller wollte das Bankkonto der GdG Global Dienstleistung pfänden lassen. Da stellte sich heraus, dass das Finanzamt schon die Hand auf dem Konto hatte und für sich 64.000 Euro Steuerschulden rekla- mierte. Im Frühjahr 2012 meldete GdG Global dann Insolvenz an. Normalerweise könnte Müller das ausstehende Geld aus der Insolvenzmasse geltend machen.

Aber die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde mangels Masse abgewiesen. Das Logistikunternehmen Fiege hat sich nach eigenem Bekunden schon im November 2011 von GdG Global Dienstleistung getrennt. Bei einer Routinekontrolle, so einSprecher, sei aufgefallen, dass GdG Global vertragswidrig mit Selbstständigen arbeitete. die Subunternehmen wären verpflichtet gewesen, nur sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter zu beschäftigen. Inzwischen gibt es übrigens wieder eine GdG Global, allerdings nicht die Dienstleistung Gmbh, sondern GdG Global Service Gmbh & Co. KG. Die hat aber nichts mit der ersten Firma zu schaffen, sagt Jennifer Bergemann, Assistentin der Geschäftsführung. Juristisch stimmt das. Auch wenn die Kommanditistin der neuen GdG Global Filiz T. heißt und die Ehefrau von Cengiz T. ist. Stellung nehmen wollte das ehepaar zu der Angelegenheit nicht.

Anwältin Viktoria Müller hat die Hoffnung auch jetzt noch nicht aufgegeben: Die Höhe der Steuerschulden könnte darauf hinweisen, dass die Firma GdG Global Dienstleistung Gmbh schon länger zahlungsunfähig war und der Geschäftsführer Cengiz T. dies wusste. „Dann könnte eine persönliche Haftung des Geschäftsführers unabhängig von der Insolvenz der Firma gerichtlich überprüft werden“, sagt Viktoria Müller. „Das könnte dazu führen, dass Herr T. persönlich das ausstehende Geld bezahlen müsste.“ Fortsetzung folgt.

Text: Birgit Müller
Foto: Mauricio Bustamante

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