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Winternotprogramm

Anstehen für Containerplätze

1. November 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Das Winternotprogramm ist eröffnet: Freitagmorgen wurden die begehrten Schlafplätze in vergleichsweise komfortablen Wohncontainern vergeben. Um einen zu ergattern, haben Obdachlose die Nacht in der Bundesstraße vor der Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie verbracht.

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Hinz&Künztler Marcel hat die Nacht vor der Tagesaufenthaltsstätte verbracht, um einen Containerplatz zu bekommen.

Hinz&Künztler Flummi hat ganze 18 Stunden gewartet, um einen der heiß begehrten Containerschlafplätze im Winternotprogramm zu erhalten. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt er, als er morgens um 7 Uhr auf die Vergabe der Plätze in der Tagesaufenthaltsstätte (TAS) der Diakonie in der Bundesstraße wartet. Die ersten Obdachlosen kamen sogar schon am Mittwoch mit einem Zelt. Das lange Warten nehmen sie auf sich, weil sie sich einen vergleichsweise komfortablen Schlafplatz in einem Wohncontainer versprechen. Das ist viel besser, als in einer der Massenunterkünfte des Winternotprogramms zu schlafen: Die Obdachlosen haben dort in Einzelzimmern ihre Ruhe und es sind immer nur wenige an einem Ort untergebracht. Das ist in den anderen Unterkünften anders: „Im Pik As will ich nicht sein“, sagt Flummi. Die vielen anderen Obdachlosen dort würden ihn nur zum Alkoholtrinken verführen. „Da komme ich kaputter raus, als ich rein gehe.“

111 Obdachlose haben sich am Freitagmorgen um einen Containerschlafplatz bemüht. Insgesamt gibt es in diesem Jahr 90 Plätze auf Kirchengeländen in der ganzen Stadt, die TAS vergibt 84 davon. Von sechs weiteren Containerplätzen für Frauen, die vom Tagestreff Kemenate verteilt werden, war bis Freitagmittag erst einer vergeben.

Der Andrang in der Bundesstraße fiel in diesem Jahr geringer aus, als erwartet. Das liegt auch daran, dass die Mitarbeiter bereits in den vergangenen Wochen Obdachlose beraten haben. Keine Chance auf einen Platz haben nämlich die, die aggressiv auftreten, sich nicht auf Deutsch mit den ehrenamtlichen Helfern verständigen können oder schwer alkoholkrank sind. Die Obdachlosen, die keinen Containerplatz bekommen können, wussten das schon vorher und haben es am Freitagmorgen gar nicht erst versucht. Noch im vergangenen Jahr hatten viele vor Verzweiflung geweint, die keinen Platz in einem Container bekommen hatten. So dramatische Szenen blieben in diesem Jahr in der TAS aus. „Ich denke aber nicht, dass der Bedarf geringer geworden ist“, sagte TAS-Leiter Uwe Martiny. „Wir sagen denen, die wir ablehnen müssen, dass sie einen Platz in der Spaldingstraße bekommen können.“

Für Flummi kommt erschwerend hinzu, dass er auch einen Schlafplatz für seine Hündin Leila sucht. Für Menschen mit Haustieren gibt es aber kaum Plätze im Winternotprogramm. Dabei sind die oft die wichtigsten Begleiter der Obdachlosen: „Ich versuche alles, um es meiner Kleinen über den Winter angenehm zu machen“, sagt Flummi. Zusammen mit Leila hat er die Nächte der vergangenen Winter auf der Mönckebergstraße verbracht. „Sie bekommt sogar besseres Essen und mehr Decken als ich.“

„Im Container schlafen ist wie Urlaub“

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Flummi und Hündin Leila bereiten sich auf ihren Einzug in den Wohncontainer vor.

„Ich bin stolz drauf, nicht mehr auf der Straße schlafen zu müssen“, sagt Hinz&Künztler Marcel. „Jetzt habe ich meinen eigenen Container!“ Das Warten im Regen seit Donnerstagabend um 23 Uhr hat sich für ihn gelohnt: Er hat einen Unterkunftsplatz in Bergedorf ergattert. Im letzten Winter hat Marcel noch Platte in der Mönckebergstraße gemacht. „Das war eine Katastrophe“, sagt er. „Es ist einfach so kalt  draußen, es könnte sein, dass man den Winter nicht überlebt.“ Umso glücklicher ist er über sein Zuhause für die nächsten Monate: „Im Container ist es warm und man hat seine Ruhe. Das ist wie Urlaub!“

Auch Flummi hatte Glück: Er kann zusammen mit Hündin Leila am Freitagnachmittag in einen Wohncontainer in Volksdorf einziehen. „Da kann ich bis 10 Uhr pennen, wenn ich will. Das geht auf der Straße nicht“, sagt er sichtlich zufrieden. „Jetzt kann ich mich im Winter mal richtig erholen!“

Text: Benjamin Laufer
Fotos: Mauricio Bustamante

3 Kommentare
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  1. Wenn man diesen Artikel so ließt, denkt man gleich: „Alles friede – Freude-Eierkuchen !! So ist es aber nicht, wenn man keinen Einzelplatz bekommt !! Weiter hin könnte ich schon wieder die Wände hoch gehen, das hier ausgesiebt wird !! Wo ist hier eigendlich, gleiches Recht für alle ?? Wenn der eine ein Platz bekommt, dann kann ich den anderen nicht draußen lassen, nur weil er Alkeholkrank ist, oder andere Probleme mit sich bringt !! Sind die nicht auch in Not, oder wie soll man das verstehen ?? Werden dies Menschen auch um 9:00 Uhr aus ihrem Container raus geschmissen, und dürfen erst wieder um 16:30 Uhr wieder auf tauchen ?? Klar ist, das sich die freuen, die allein ein Bett belegen dürfen, vielleicht get es auch noch zu zweit, aber dann hört es aber auch auf !! Diese Mißständ, wo vier bis acht Leute untergebracht werden, auf nicht mal 10 bis 20 Quadratmetern, ist schon krass, sehr krass !! Eine Privatsphäre, keine Intimsphäre, und man muß auf sich und seine Sachen auch noch auf passen !! Es ist wirklich ein NOT-PROGRAMM, mehr kann man da zu auch nicht sagen, außer, – das alle dort in Not sind !! Dieser Stadt fällt nichts besseres ein, außer diese Menschen, so ein menschunwürdiges Angebot zu machen !! Die einen freuen sich, die anderen weinen, wie soll die Politik auch darauf reagieren ??

    In diesem Sinn, – Erich Heeder – HINZ&KUNZT Verkäufer

  2. das Video dazu: http://youtu.be/e0ZNblaOfYw

  3. Sind halt zu viele

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