Alt, arbeitslos – und dann?

Wer mit über 50 seine Stelle verliert, hat es besonders schwer, eine neue zu finden. Ältere Arbeitnehmer sind nicht nur häufiger ohne Job, sie bleiben es auch länger. Gibt es für sie keinen Platz mehr? Fragen und Antworten gibt es bei einer Podiumsdiskussion aus der Reihe „Gerechte Stadt“ am 7. Juni.

Kauffrau Heidi Lüben setzt alles dran, wieder Arbeit zu finden.
Kauffrau Heidi Lüben setzt alles dran, wieder Arbeit zu finden.

„Ich habe gedacht, die Welt hört auf, sich zu drehen“, sagt die 53-jährige Kauffrau. „Und ich hab mir sofort gesagt: Du bist über 50. Große Chancen hast du nicht mehr.“ Heidi Lüben versucht zu beschreiben, wie sie sich gefühlt hat, als sie 2009 plötzlich ohne Job dastand – das erste Mal nach mehr als 30 Jahren Berufstätigkeit.

Ältere Arbeitnehmer haben es schwer auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, waren die über 50-Jährigen zwischen 1998 und 2008 stets häufiger arbeitslos als Jüngere und waren auch öfter langfristig ohne Job. An dieser Tendenz hat sich wenig geändert: Im April 2011 lag die bundesweite Arbeitslosenquote bei 7,3 Prozent. Bei Menschen über 50 betrug sie 8,5 Prozent, bei über 55-Jährigen sogar 9,1 Prozent. Auch die Dauer der Arbeitslosigkeit ist bei Älteren deutlich höher: Derzeit sind Arbeitslose durchschnittlich 34 Wochen ohne Arbeit, über 50-Jährige dagegen ganze 49 Wochen.

Insgesamt zeigt sich bei älteren Arbeitnehmern derzeit eine zweischneidige Tendenz: Einerseits steigt seit 2006 die Beschäftigungsquote bei den über 50-Jährigen – von 39,8 Prozent Ende 2006 auf 46,8 Prozent im dritten Quartal 2010. Andererseits gibt es aber auch mehr ältere Arbeitslose: Im Jahr 2009 waren von 3,4 Millionen Arbeitslosen 914.000 jenseits der 50, im April 2011 waren es 953.000 von insgesamt 3 Millionen. Während die Zahl der Arbeitslosen insgesamt abgenommen hat, sind also mehr über 50-Jährige ohne Arbeit als noch vor zwei Jahren. Und fast jeder dritte Arbeitslose war im April 2011 über 50.

Eine Podiumsdiskussion aus der Reihe „Gerechte Stadt“ thematisiert das im Juni unter dem Titel „Älterer Arbeitnehmer – kein Platz mehr da?“

Vor allem im Zusammenhang mit der Diskussion um die „Rente mit 67“ ist die Situation älterer Arbeitnehmer wieder in den Blick gekommen. Wer muss beziehungsweise kann welche körperlichen und psychischen Belastungen in der Arbeit wie lange aushalten? In der Diskussion um Fachkräftemangel wird auch auf die besonderen Potenziale von älteren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen hingewiesen. Die Erwerbslosigkeit von Menschen über 50 ist, wie oben dargestellt, hoch.

Wie sehen die Arbeitswirklichkeiten älterer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus? Wie können Unternehmen ihnen adäquate ARbeitsplätze bieten? Wie kann Arbeitsmarktpolitik ältere Erwerbslose unterstützen? Was brauche Menschen, um nach der Phase der Erwerbsarbeit ihren Wünschen gemäß leben zu können?

Es diskutieren:
Uwe Grund, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Hamburg
Tanja Buch, Soziologin, Insitut für ARbeitsmarkt- und Berufsforschung, Kiel
Michael Ulrich, ISH Bildungs- und Beratungsgesellschaft
und Peter Endert, Verein Silberpfeil Hamburg

Gerechte Stadt: Ältere ArbeitnehmerInnen – kein Platz mehr da?
Dienstag, 7. Juni, 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr
Agentur für Arbeit, Kurt-Schumacher-Allee 16
Eintritt frei

Text: HAN/BEB
Foto: Hannah Schuh

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