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Adel verpflichtet!

29. April 2010 | Von | Kategorie: 2004: Hinz&Kunzt-Ausgaben 131 – 142, Archiv, Hinz&Kunzt 136/Juni 2004

Aber wozu eigentlich? Titelträger berichten

(aus Hinz&Kunzt 136/Juni 2004)

„Wenn Adel zu etwas verpflichtet, dann zu anständigem Benehmen. Und damit meine ich nicht übersteigertes Gehabe, wie es sich in Duellen zeigt oder in manierierter Rede. Sondern Wahrheit, Freundlichkeit und Rücksichtnahme. Mein Vorbild ist der Ritter, der für den Bettler seinen Mantel teilt.“ Achim Freiherr von Beust (87), Jurist, früher Bezirksamtsleiter in Wandsbek. Vater des Hamburger Bürgermeisters. Der Name von Beust lässt sich bis 1248 zurückverfolgen, die mütterliche Linie – von Düring – sogar bis 1143.

„Adel verpflichtet dazu, Vorbild zu sein. Das reicht von A wie Anstand über B wie Bescheidenheit, C wie Christusnachfolge, D wie Demut und Dankbarkeit, G wie Glaube, K wie Kinderzahl und -erziehung, L wie Liebe zu Gott, meiner Familie und den Mitmenschen, T wie Treue bis zu Z wie Zufriedenheit, auch bei widrigen Umständen. In dieser Schule bin ich zeitlebens Schüler, nicht Meister. Und immer bin ich angewiesen auf Gottes Hilfe.“ Philip Prinz von Preussen (36), Ururenkel des letzten deutschen Kaisers. Fiel aus der Erbfolge des Hauses Hohenzollern, weil sein Vater bürgerlich heiratete. „Königliche Hoheit“ meldet sich am Telefon mit „Philip Preussen“. Der angehende Pastor würde eine parlamentarische Monarchie begrüssen.

„Den historischen Adel gibt es seit 1918 nicht mehr, der Titel ist Teil des Namens geworden. Trotzdem – wie in jeder anderen Familie auch – verpflichtet der Name zu einem Verhalten im privaten und öffentlichen Leben, das den Namen und damit auch die Familienmitglieder nicht in Misskredit bringt.“ Prof. Dr. Karin von Welck (57), Ethnologin, ist seit März Hamburger Kultursenatorin. Vorher Museumsleiterin und Generalsekretärin bei der Kulturstiftung der Länder in Berlin. Adelsbezeichnung: Freifrau.

„Wer glaubt, Adlige seien etwas Besseres, der irrt. Wer aber glaubt, Adlige sollten etwas Besseres sein, der hat Recht. Von Adel ist jedoch, wer hilfsbereit ist, sozial denkt und handelt und Verzicht zugunsten anderer übt. Nur ein solcher Adel besitzt wahren Wert.“ Christian Freiherr von Richthofen (44) ist Musiker und Schauspieler. er Führt zum Beispiel mit Stefan Gwildis die Crash- und Rhythmus-Show „Auto Auto“ auf und Gründete mit zehn Jugendlichen aus der Grosssiedlung Osdorfer Born die Percussion-Band „Hot Schrott“.

Mit dem Adel auf du und du
Zum Hochadel zählen zum Beispiel Herzöge und Fürsten (Anrede: Durchlaucht), zum niederen Adel Freiherrn und Ritter. In Deutschland wurde der Adel 1918 abgeschafft. Adelsprädikate sind seitdem ein Teil des bürgerlichen Namens.

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