Miese Buden zu Mondpreisen

Erster Abzock-Vermieter verurteilt

Weil er unrechtmäßig kassiert hat, muss der Vermieter D. dem Jobcenter rund 40.000 Euro zurückzahlen. Beim bekanntesten der Hamburger Abzock-Vermieter, Thorsten Kuhlmann, wird derweil noch nachgemessen, ob und wieviel Miete er zu Unrecht vom Amt bekam.

Der Vermieter D. muss dem Jobcenter Hamburg knapp 40.000 Euro zurückzahlen. Das hat das Amtsgericht Mitte laut Behörden-Anwalt Dr. Tobias Beckmann entschieden. D. hatte auf St. Pauli Wohnungen an Hilfeempfänger vermietet und dabei falsche Quadratmeterangaben in Mietverträge geschrieben. So hatte ihm das Jobcenter jahrelang mehr Geld überwiesen, als rechtmäßig gewesen wäre. Schadensersatzklagen des Jobcenters gegen weitere Vermieter sind noch nicht entschieden, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin. UJO

oWillkommen Zuhause: Keller, der von der Kuhlmann Grundstücks GmbH als Wohnung vermietet wurde
Willkommen Zuhause: Keller, der von der Kuhlmann Grundstücks GmbH als Wohnung vermietet wurde

Hintergrund: Im Oktober 2009 berichtete Hinz&Kunzt erstmals über den Vermieter Thorsten Kuhlmann, der offenbar kleine Wohnungen in schlechtem Zustand zu hohen Quadratmeterpreisen an Hilfeempfänger vermietete – und zudem falsche Quadratmeterangaben in Mietverträge schrieb. Nach der Berichterstattung auch in anderen Hamburger Medien meldeten sich Mieter aus der ganzen Stadt und berichteten ähnliches.

Kuhlmann vermietet mindestens 300 seiner Wohnungen in Hamburg an Hilfeempfänger. Manche waren im Mietvertrag doppelt so groß wie in Wirklichkeit, bei anderen verwandelten sich Kellerlöcher in Apartments. Das Jobcenter hatte im März 2010 nach langem Zögern Strafanzeige wegen des Verdachts auf Mietwucher und Betrug gestellt. Laut Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen an. Vergangenen September verkündete die Sozialbehörde eine Einigung mit Kuhlmann. Alle Wohnungen würden auf Größe und Zustand geprüft.

Zurzeit werden die Wohnungen des Immobilienbesitzers Thorsten Kuhlmann noch vermessen. Vorsichtigen Schätzungen zufolge könnten Jobcenter und Sozialämter sich von Kuhlmann 300.000 Euro ungerechtfertigte Mieteinnahmen zurückerstatten lassen. Mehrere Hunderttausend Euro dürfte die öffentliche Hand in den kommenden Jahren einsparen, wenn die Miethöhen den realen Gegebenheiten entsprechen. Text/Foto: BEB

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