Youtube-Wettbewerb

„Obdachlose werden oft falsch verstanden“

Mit ihrem Video über Obdachlosigkeit haben zwei Hamburger Schülerinnen beim Youtube-Wettbewerb „361 Grad Respekt“ in der Kategorie „Held des Alltags“ gewonnen. Alles andere als selbstverständlich: Ihren Preis teilen sie mit Hinz&Kunzt.

Für Josefina und Sheila ist der obdachlose Rasmus ein echter Held des Alltags.
Für Josefina und Sheila ist der obdachlose Rasmus ein echter Held des Alltags.

Einen Superhelden stellt man sich eigentlich anders vor. Auf Knien hockt der junge Mann dicht an die Wand gedrückt. Seine Hände hat er in den Jackentaschen vergraben. Um ihn herum: Schneegestöber. Vor ihm auf dem Boden: eine Schale mit ein paar Münzen darin. Für Josefina und Sheila ist er aber sehr wohl ein Held. Ein Held des Alltags, weil er Missachtung und Ausgrenzung, Armut und die Gefahren der Straßen aushält.

Dem jungen Mann und allen anderen Obdachlosen haben Josefina und Sheila (beide 16 Jahre alt) ihren Beitrag zum Videowettbewerb der Internetplattform Youtube „361 Grad Respekt“ gewidmet – und damit in der Kategorie „Held des Alltags“ gewonnen. Der Preis für die Schülerinnen vom Gymnasium Lerchenfeld: eine Reise nach London. Weil die aber nur für eins der Mädchen gewesen wäre, haben sie sich den Wert auszahlen lassen – 1200 Euro, von denen sie die Hälfte jetzt an Hinz&Kunzt gespendet haben.

Ganz schön viel Geld: Sheila und Josefina spenden 600 Euro an Hinz&Kunzt. Gabriele Koch und Wettbewerbsinitiator Jörn Menge von „Laut gegen Nazis“ finden´s klasse.
Sheila und Josefina spenden 600 Euro an Hinz&Kunzt.
Gabriele Koch und Wettbewerbsinitiator Jörn Menge von „Laut gegen Nazis“ finden’s klasse.

„Das ist viel Geld für zwei junge Mädchen“, sagt Gabriele Koch vom Spendenmarketing bei Hinz&Kunzt. „Ich bin beeindruckt, dass sie das mit uns teilen, und wie engagiert sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben.“ Josefina und Sheila haben in der Schule gelernt, wie man ein Video produziert. Die Themensuche für den Videowettbewerb war nicht leicht: „Erst wussten wir gar nicht, was wir machen sollten. Dann haben wir an einer U-Bahn-Station einen Obdachlosen gesehen. Da war alles klar“, sagt Josefina. „In Hamburg sieht man ja öfter Obdachlose. Ich habe mich auch schon mit manchen sehr freundlich unterhalten, bin aber auch schon mal angeschrien worden. Obdachlose sind nicht alle gleich. Sie werden oft falsch verstanden, es gibt viele Vorurteile.“

Um mit Vorurteilen gegen Obdachlose aufzuräumen, sind Josefina und Sheila mit ihrer Kamera losgezogen und haben mit Hinz&Künztlern und Passanten gesprochen. Ganz offen und mutig haben sie den obdachlosen Rasmus gefragt: „Warum bist du eigentlich obdachlos?“ Und sie haben Passanten interviewt. Mit dem Ergebnis wollen sie dazu beitragen, „dass die Leute mehr Respekt vor Obdachlosen zeigen“. Die Mühe hat sich gelohnt, auch für Josefina und Sheila. Denn vom Preisgeld ist ja auch nach der Spende an Hinz&Kunzt etwas übrig. Damit haben die Mädchen sich persönliche Wünsche erfüllt. Josefina, zum Beispiel, hat jetzt eine neue Digitalkamera. Mit der kann sie auch Filme drehen.

Mehr Respekt gegenüber Obdachlosen: Das Gewinnervideo von Sheila und Josefina

Text: Beatrice Blank
Foto Scheckübergabe: Nicola Rübenberg / ruebenberg.de

2 Kommentare zu “„Obdachlose werden oft falsch verstanden“

  1. Das ist so eine Sache mit dem Respeckt !! Alle haben so viel Respeckt vor einem, das keiner etwas mit dir zu tun haben möchte !! Die meisten unserer Gesellschaft laufen doch an einem vorbei, auch wenn du HINZ&KUNZT anbietest !! Ich bin der Meinung, das vor über 10 Jahren alles anders war !! Da haben wir als HINZ&KUNZT Verkäufer mehr menschliche Kontackte gehabt, als heute !! Ob das am sozialen Niedergang unserer Gesellschaft liegt, weiß ich nicht , aber ich kann es mir gut vorstellen !!
    Wer schon immer eigenständig gearbeitet hat, der braucht keinen, der ihnen Vorschriften macht !! HINZ&KUNZT hat mal verlauten lassen, das wir mehr Konkurenz auf der Strasse hätten, und deshalb weniger Strassenmagazine verkaufen !! Diese gewisse Konkurenz, hat aber kein Soziales Projekt in der Hand, und stellt sich dieser Gesellschaft !! Wir sind sichtbar, und wollen dieser Gesellschaft zeigen, das es uns auch noch gibt !! Wir signalisieren, das wir zu wenig Geld haben, um zu überleben !!
    Nicht viele machen sich in dieser Gesellschaft Gedanken über Armut und Obdachlosikeit, denn ihnen geht es ja gut ?? Das wir uns alle Unterstützen könnten, ist doch nicht zu viel verlangt !! Es gibt unter uns welche, die rennen nirgens wo hin, um Geld zu bekommen vom Staat !! Die kämpfen jeden Tag ums nackte Überleben, und alle schauen nur zu !! Viele sagen: „Uns geht es doch gut“, und das ist unser größtes Problem !! Wenn es uns so gut gehen würde, würde diese Gesellschaft keine HINZ&KUNZT Verkäufer-Innen oder Obdachlose mehr auf der Strasse sehen !!
    Diese kapitalistische Zeitmaschine rast so schnell, das viele von uns auf der Strecke bleiben, aber uns gehts ja gut ??? Mal drüber nach denken, denn wir sind das Spiegelbild dieser kapitalistischen Gesellschaft !! Irgend wann ist jeder mal von dieser Zentrifugalkraft betroffen, und fliegt vom Teller , ohne das er die Schuld drann trägt !!

    In diesem Sinn, Erich Heeder – HINZ&KUNZ – Verkäufer

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