Tagesaufenthaltsstätte

30 Jahre Herz As

Das Herz As wird 30 Jahre alt. Seit 1982 versorgt das Team Obdachlose mit Überlebenswichtigem. Kollegen und Sozialsenator Scheele loben die Einrichtung als „nicht wegzudenken“. Nur: An Armut und Verelendung kann keine Hilfeeinrichtung etwas ändern.

Im Durchschnitt kommen am Tag 160 Gäste ins Herz As. Woher sie stammen, haben sie selbst auf bunte Blätter geschrieben.

Die Besucher des Herz As kommen aus aller Herren Länder. Mit Filzstiften haben sie ihre Namen und die Orte, von denen sie stammen auf bunte Blätter gemalt: Jozef, Jürgen und Ali. Aus Bulgarien, Düsseldorf oder Ghana. „Wir sind Multikulti“, sagt Ole Harms vom Team der Tagesaufenthaltsstätte. Und das soll man auch sehen. In 30 Jahren Obdachlosenhilfe sind hier viele gekommen und gegangen. In den frühen 80er-Jahren waren es oft Hafenarbeiter, heute sind viele der täglich rund 160 Gäste in Hamburg gar nicht wirklich heimisch, sondern aus anderen Städten und Ländern gekommen, um hier ihr Glück zu machen. Gemeinsam haben sie alle etwas: Es fehlt ihnen am Notwendigsten.

Anfang der 1980er-Jahre

„Das Herz As ist aus dem Hilfeangebot in der Stadt nicht wegzudenken“, sagt Dr. Stephan Reimers. Der ehemalige Chef des Diakonischen Werkes Hamburg hat selbst viele Einrichtungen der Obdach- und Wohnungslosenhilfe in Hamburg geprägt oder sogar selbst aufgebaut: zum Beispiel Hinz&Kunzt. Als das Straßenmagazin 1993 gegründet wurde, gab es das Herz As schon länger als zehn Jahre.

Anfang der 80er-Jahre waren die Wirtschaftswunderzeiten mit ständiger Vollbeschäftigung in Deutschland endgültig vorbei. Ende der 70er-Jahre war die Zahl der Arbeitslosen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf mehr als eine Million gestiegen. Spürbar mehr waren es auch, die auf der Straße landeten. Für sie gab es damals in Hamburg zwar schon das Pik As, bis heute Notschlafstelle für Obdachlose. Doch Angebote für den Tag fehlten. Um Schutz vor der Witterung zu bieten, etwas Warmes zu essen, Hygiene und Unterstützung beim „Weg zurück ins Leben“ wurde das Herz As gegründet.  „Alles, was damals angedacht war, gibt es hier heute auch“, sagt Reimers. Und ist bis heute nötig. Denn dass gute Arbeit für Obdachlose sich selbst überflüssig macht, sagt Reimers, sei eine unnötige Sorge von Helfern: „In unserer modernen Gesellschaft ergeben sich immer wieder neue Kanten, an denen Menschen abrutschen.“

Hamburg Sozialsenator Detlef Scheele (SPD)

„Besondere Herausforderungen“ für die Helfer sozialer Einrichtungen nennt das Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). Er lobt besonders die Arbeit des Herz-As-Teams vor allem im vergangenen Winter. Denn das neue Winternotprogramm der Stadt betraf das Herz As ganz besonders: Direkt gegenüber in der Spaldingstraße steht das Bürogebäude, das hunderten Obdachlosen von November bis April Unterschlupf gewährte. „Fast 90 Prozent von ihnen kamen aus Osteuropa“, sagt Scheele. Ihr Vorhaben, hier Arbeit zu finden, sei gescheitert. „Sie drohten zu verelenden.“ Er finde es „bewundernswert, wie flexibel“ das Herz-As-Team diese Herausforderung „angenommen und bewältigt“ habe.

Herz-As-Leiter Andreas Bischke

Bewältigt ja, sagt dazu Andreas Bischke, Leiter des Herz As. Allerdings: „Wir mussten Menschen abweisen, die hier duschen oder eine warme Mahlzeit wollten. Wir sind am Rande unserer Kapazität.“ Und die Mitarbeiter waren über Monate am Rande ihrer Kräfte „Wir sind oft nur zum Schlafen nach Hause gefahren, um dann gleich die nächste Schicht zu beginnen“, sagt Bischke. Er freut sich über das Lob für sein Team, bedankt sich bei Mitarbeitern, Spendern, Mitstreitern und den Nachbarn im Münzviertel.

Doch bei aller Feierfreude mahnt er an: „Es kann nicht angehen, dass soziale Einrichtungen etwas auffangen müssen, was im Bereich der Wirtschaft schiefläuft.“ Anfangs hat das Herz As oft Schauerleute und Hafenarbeiter unterstützt – Menschen in prekären Arbeitsverältnissen. 30 Jahre später wiederhole sich das, sagt Bischke. „Wenn Menschen für ihre Arbeit nicht ausreichend bezahlt werden, kommen sie zu uns.“ Sichere Anstellungen und die Einführung eines Mindestlohns, sagt Bischke, „das würde uns wirklich entlasten“.

Text und Bilder: Beatrice Blank

 

 

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