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20 Jahre Hinz&Kunzt

„Willen braucht man…“

29. Januar 2013 | Von | Kategorie: 2013: Hinz&Kunzt 239-250, Archiv, Hinz&Kunzt 240/Februar 2013

Judith Rakers, Tim Mälzer, Michael Otto – und Helmut Schmidt machen mit bei der großen Gratulationskampagne zum 20. Geburtstag von Hinz&Kunzt. Mit Helmut Schmidt hatte Hinz&Kunzt-Geschäftsführer Jens Ade ein denkwürdiges Zusammentreffen.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

Geburtstag haben wir zwar erst am 6. November. Aber bei einem 20-jährigen Jubiläum kann man im Grunde das ganze Jahr über feiern, dachten wir uns. Und da unser Geschäftsführer Jens Ade ein ehemaliger Werber ist, hat er sich mit seinen damaligen Kollegen Michael Kaese und Christiane Heldman und dem Fotografen Ivo von Renner eine Kampagne ausgedacht. Bekannte Hamburger sollten uns in originellen Riesenplakaten – im Fachjargon 18/1 – ihre Glückwünsche aussprechen, „aus ihrer eigenen Welt heraus und in ihren eigenen Worten“, sagt Jens Ade.

Vier Kandidaten sollen es sein: natürlich Moderatorin und Journalistin Judith Rakers, die seit einem Jahr unsere Botschafterin ist. Sie engagiert sich grundsätzlich für uns, weil sie findet: „Jeder braucht zwei Chancen im Leben. Mindestens.“ Speziell hilft sie uns, unseren Traum von einem eigenen Haus zu verwirklichen. Sie wissen: Unten im Haus soll das Projekt einziehen und oben etwa 15 Hinz&Künztler. Außerdem machen mit: der Fernsehkoch und Küchenbulle Tim Mälzer, der jedes Jahr eine Weihnachtsfeier für Obdachlose in der Bullerei ausrichtet. Und der Unternehmer Michael Otto, der sich mit seinem Projekt Cotton made in Africa für einen fairen und sozialen Handel einsetzt. Die Motive von Tim Mälzer und Michael Otto werden allerdings erst im Frühjahr und Sommer plakatiert. Dann kommen die beiden auch selbst zu Wort und werden vorgestellt.

Jens Ade hatte aber noch einen Wunschkandidaten, von dem er nicht zu hoffen wagte, dass er mitmachen würde. Sein Traum war es, Ex-Kanzler und Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt für die Kampagne zu gewinnen. „Er hat schon bei der Sturmflut 1962 als Hamburgs Innensenator gezeigt, dass man Not lindern kann, indem man anpackt“, sagt Jens Ade, der damals elf Jahre alt war und sich noch gut an die Zeit erinnern kann. Außerdem gefiel uns, dass sich der Sozialdemokrat schon in den 90er-Jahren einem Aufruf von Zeit-Herausgeberin Marion Dönhoff angeschlossen hat. In „Zivilisiert den Kapitalismus“ kritisierte die Gräfin den hemmungslosen Kapitalismus, die Gier und den Verlust des Gemeinsinns. Das liest sich übrigens heute noch topaktuell.

Dazu passt ein Motto von Helmut Schmidt: „Eine Reduzierung des Menschen auf das Ökonomische ist verboten.“ Allen vier Kandidaten schrieb Jens Ade einen Brief. Sensationell! Nur zwei Tage später war die erste Antwort da, von Helmut Schmidt. Judith Rakers hatte gleich zurückgerufen. Die anderen Zusagen folgten auf dem Fuße.

Dann das Shooting, wie das auf Werber-Neudeutsch so schön heißt. Helmut Schmidt ohne Zigarette ist natürlich undenkbar. Und so ließ er sich in seinem Büro auch mit selbiger ablichten – und wählte ein entsprechendes Zitat: „Glückwunsch zu 20 Jahren Durchhalten. Willen braucht man. Und Zigaretten.“

Vor dem Shooting wollte er von Jens Ade aber erst mal ein paar Dinge erfahren: Woher denn unser komischer Name käme – und wie wir uns finanzierten. Als Jens Ade dem ehemaligen Kanzler erzählte, dass wir keine Zuschüsse bekommen und wir uns über den Verkauf des Magazins und zu 60 Prozent aus Spenden finanzieren, wollte Helmut Schmidt wissen: „Großspender?“ Ade verneinte: „Die meisten sind Kleinspender – und darauf sind wir auch sehr stolz.“ Großspenden seien aber besser, fand Schmidt. „Kleinvieh macht auch Mist“, sagte Ade. Daraufhin Schmidt schelmisch: „Großvieh macht aber mehr Mist.“

Sein Blick ging zum Eckfenster, aus dem man die Elbphilharmonie sehen kann. Offensichtlich ist Schmidt kein großer Freund des künftigen Konzerthauses. Da müsste man doch die ein oder andere Million abgreifen, sagte Schmidt. Jens Ade versicherte: „Wenn Sie mir sagen, wie das geht, mache ich das sofort.“

Text: Birgit Müller
Kampagnenmotive: Ivo von Renner

Dankeschön!
Unsere Geburtstagskampagne wurde nicht nur von den vier Prominenten, sondern auch von vielen Helfern unterstützt: Ivo von Renner mit Assistent Phillip Mall fotografierte die Serie honorarfrei, die Kreativen Michael Kaese (Text) und Christiane Heldman (Art) erarbeiteten pro bono Idee und Layout. Manfred Greiff machte die Bildbearbeitung, das Produktionsbüro Romey von Malottky übernahm die Produktion. PX2 übernahm die Litho und Andreas Hansen Plakatanschlag stellt Hinz&Kunzt 500 Flächen für ein Jahr kostenlos zur Verfügung. Die Druckerei Klingenberg&Rompel wiederum gewährte einen großzügigen Preisnachlass.

3 Kommentare
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  1. Auch ich wünsche allen Arbeitslosen und Obdachlosen ein angenehmes Leben, und zwar ohne Qualm, damit es allen besser geht. Reine Luft, eine menschenfreundliche Atmosphäre, ohne Gift, Rauch, Dreck und Gestank sorgt dafür, daß Menschen gesund bleiben und füreinander sich engagieren können. Reine Atemluft ohne Schadstoffe ist genauso wichtig wie gesundes Essen und richtige Kleidung. Ich verstehe deshalb nicht, daß Sie das Rauchen von Altbundeskanzler Helmut Schmidt derart verharmlosen. Ich hatte mit Atemschutztechnik und Arbeitsschutz beruflich zu tun und weiß, wovon ich schreibe. Jährlich gibt es weltweit ca. 600.000 Passivrauchtote, darunter ca. 165.000 zwangsberauchte Kinderopfer. Insgesamt sterben jährlich weltweit ca. 6 Millionen Menschen wegen des Tabakkonsums. Deshalb ist Rauchen asozial und nicht tolerierbar, denn es ist das Gegenteil von Eigen- und Sozialverantwortung. Stellen Sie sich mal einen Friedhof mit so vielen Kreuzen vor! Unfaßbar, jedes Jahr ca. 6 Millionen Kreuze!

    Ich erhielt die Information über Sie und Ihre Glorifizierung des Altbundeskanzlers und Oberqualmers der Nation, Helmut Schmidt, von der nationalen und internationalen Arbeitskreis gegen das Rauchen und für den Nichtraucherschutz.

    Ich könnte mir nicht vorstellen, Sie zu unterstützen, denn für mich ist es wichtig, Leben zu schützen und zu retten.

    Quintessenz: Das Rauchen ist genauso überflüssig wie ein Lungenkrebs.

    Mit enttäuschten Grüßen

    Birgit Kübler

    Kopie an den nationalen und internationalen Arbeitskreis gegen das Rauchen und für den Nichtraucherschutz

  2. Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    einige von Ihnen haben sich darüber geärgert, dass Helmut Schmidt in unserer Kampagne und auf unserem Titelblatt mit einer Zigarette abgebildet ist. Vielleicht ein paar Worte zur Erklärung: Für uns war Helmut Schmidt ein absoluter Wunschkandidat. Vor allem, weil er sich schon seit Jahrzehnten gegen hemmungslosen Kapitalismus, Gier und den Verlust des Gemeinsinns einsetzt. Darüber hat Theo Sommer in unserer Februarausgabe auch einen Artikel geschrieben. Ja, Helmut Schmidt ist bekennender Raucher, und er raucht überall, wo es nur geht. Übrigens würde er nie in einer Schule rauchen und auch nicht an Orten, wo ihm dies explizit verboten ist.
    Wir haben Helmut Schmidt gebeten, an unserer Kampagne teilzunehmen, um uns zu unterstützen. Dies hat er gern getan. Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, dass wir nur einen Leser-Kommentar zu diesem Thema veröffentlichen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Birgit Müller
    Chefredakteurin

  3. Sehr geehrter Herr Ade, sehr geehrte Frau Müller,

    die Gratulationskampagne zum 20. Geburtstag von Hinz&Kunzt gefällt mir super! Ganz großes Lob! Ich habe lange nicht mehr so eine gut gemachte Kampagne in Hamburg gesehen. Besonders gefallen mir die Aufnahmen mit Helmut Schmidt und Judith Rakers. Der „alte Mann“ (liebevoll gemeint) gibt uns allen, damit sehr viel Kraft. Aufstehen nicht Aufgeben. Das ist Power für jeden Tag. Klasse! Und Herzenswärme, Menschen mit geöffneten Herzen, das braucht diese Stadt, jeden Tag, immer wieder aufs Neue.

    Glückwunsch und weiterhin viel Erfolg!

    Bärbel Zier

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