„Wenn es langweilig wird, sind die Leute weg“

Als jonglierende Clowns Frau Ute und Herr Konrad bespaßen Rike Eckhoff und Philipp Marth das Publikum beim Straßenkünstler-Festival Buskers Ville in Altona

(aus Hinz&Kunzt 211/September 2010)

01HK211_Titel.indd„Herr Konrad, so geht das nicht! Wo ist da die Action?“ Herr Konrad, im Spießer-Anzug und mit Kassenbrille, schaut verwirrt. Er greift nach seinen Keulen und legt los. Aber sofort funkt seine selbst ernannte Assistentin Ute wieder dazwischen. Mit viel Witz und gekonnter Artistik zeigen die beiden Clowns in ihrer Show, wie die temperamentvolle Frau Ute Herrn Konrads Auftritt aufpeppt und am Ende sogar sein Herz erobert. Zu sehen sind die beiden im Rahmen des Buskers Ville Festivals der Straßenkünste am ersten September-Wochenende auf den Straßen Altonas.
Was bei Herrn Konrad und Frau Ute so leicht aussieht, ist die Frucht harter Probenarbeit. Philipp Marth und Rike Eckhoff, die auch privat ein Paar sind, haben ihren Beruf von der Pike auf gelernt und können sich gar keinen anderen Broterwerb vorstellen. „Ich wollte schon immer einen Beruf, bei dem ich abends weiß, dass der Tag sich gelohnt hat“, erzählt Rike Eckhoff. „Und ich liebe es, Menschen zum Lachen zu bringen und zu berühren.“
Die 32-Jährige hat eine Ausbildung zur Clownin absolviert. Sie tritt nicht nur als Frau Ute mit Herrn Konrad auf, sondern auch noch im Duo „2 Clowns“ und solo als Klinikclown und auf Kindergeburtstagen. Der Künstlerin liegt das Spontane und die Improvisation. Als Frau Ute kann sie beides voll ausleben. „Nach so einem Auftritt bin ich dann immer ganz ruhig“, sagt sie.
Philipp Marth ist zurückhaltender, auf der Bühne und im Leben. Der 43-Jährige hat seine künstlerische Karriere im Jugendtheater begonnen und bei einem Zirkusworkshop die Freude am
Jonglieren entdeckt. „Ich bin leider keine Sportskanone und habe mir alles selbst beigebracht. Am Anfang habe ich acht bis zehn Stunden am Tag trainiert.“ Auch heute noch übt er meist täglich mit seinen Bällen und Keulen. „Andere gehen joggen, Philipp geht jonglieren“, meint Rike Eckhoff. Marth ist ein Perfektionist, bei dem jede Bewegung und jeder Ton perfekt aufeinander abgestimmt werden. Seine aktuelle Bühnenmusik hat er elfmal umgeschrieben.
Die beiden freuen sich auf den Auftritt beim Buskers Ville, auch wenn es für sie wie für alle anderen Künstler keine Gage gibt, sondern nur ein Hut herumgeht. Rike Eckhoff schätzt die Herausforderung des Auftritts auf der Straße: „Du musst immer präsent sein.“ Philipp Marth, der Techniker, spielt eigentlich lieber auf der Bühne. Zwar gibt es auch da schlechte Abende. „Das ist ein wenig wie sterben“, meint er. „Aber auf der Straße zu arbeiten, ist unglaublich schwer. Wenn es langweilig wird, sind die Leute weg.“ Das wird allerdings bei Herrn Konrad und Frau Ute nicht passieren. Dafür gibt es viel zu viel Action.

Text: Sybille Arendt
Foto: Mauricio Bustamante

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