„Mieter werden herausmodernisiert“

Das städtische Wohnungsunternehmen Saga GWG kündigt in Barmbek drastische Mieterhöhungen an.
Der Mieterverein übt Kritik, Betroffene bangen

(aus Hinz&Kunzt 194/April 2009)

5200 Wohnungen will das städtische Wohnungsunternehmen Saga GWG dieses Jahr modernisieren, 125 Millionen Euro dafür ausgeben. Die Folge sind oft deftige Miet-erhöhungen – die längst nicht jeder tragen kann, wie das Beispiel Barmbek zeigt.


Ob Khemais Manai und seine Familie in zwei Jahren noch in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung am Lißmannseck wohnen werden, ist ungewiss. „Ich bin ein armer Rentner“, sagt der 59-jährige frühere Oberkellner eines Hotel-Restaurants. Wegen einer Herzkrankheit wurde er vor Jahren zum Schwerbehinderten, seitdem bekommt er eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente. Seine Frau ist zuckerkrank und arbeitet halbtags als Reinigungskraft, die Kinder, 18 und 21 Jahre alt, machen beide eine kaufmännische Ausbildung. Das Geld ist also knapp, weshalb es nicht verwundert, dass der Familienvater sagt: „Ich habe der Modernisierung nicht zugestimmt.“
366,39 Euro Kaltmiete zahlen die Manais derzeit noch ihrem Vermieter, der städtischen Wohnungsgesellschaft Saga GWG. Knapp 500 Euro sollen es ab Herbst sein. 15 Monate später wird nochmals erhöht: auf 586,50 Euro – das sind satte 220 Euro mehr als heute.
Der Grund für die deftigen Mieterhöhungen: Saga GWG lässt die Außenwände dämmen und eine neue Zentralheizung einbauen. Weil Khemais Manai sich fragt, wie er künftig die Miete zahlen soll, hat er bereits beim Wohnungsamt vorgesprochen. Das Ergebnis war ernüchternd: „Weil ich Rentner bin, bekomme ich kein Wohngeld.“
128 Wohnungen lässt Saga GWG in Barmbek modernisieren – und die Manais sind nicht die Einzigen, die sich fragen, wie sie Mieterhöhungen von bis zu 60 Prozent stemmen sollen. „In meinem Haus sind von acht Parteien vier ausgezogen“, sagt Mieterin Alexandra Cardoso. Manche seien in andere Wohnungen von Saga GWG umgezogen, von anderen wisse sie nicht, wohin es sie verschlagen habe.
Mieterschützer sind empört: „Das Problem ist, dass Saga GWG keine Rücksicht nimmt auf den Geldbeutel der Leute. Einige werden herausmodernisiert“, sagt Wilfried Lehmpfuhl vom Mieterverein zu Hamburg. Das städtische Unternehmen hingegen sieht sich zu Unrecht in schlechtes Licht gerückt: „Sanierung kostet leider Geld“, sagt Sprecher Mario Spitzmüller. Dafür hätten die Mieter künftig erheblich geringere Heizkosten, und die Häuser seien „in einem Zustand, den die Stadt sich wünscht“. Mehr als 60 Prozent der Betroffenen hätten den Modernisierungsmaßnahmen zugestimmt. Und nach den Erhöhungen werde die Miete „nur geringfügig über dem Mittelwert des Mietenspiegels liegen“. Wie viele Bewohner angesichts der bevorstehenden Mietsteigerungen das Weite gesucht haben, werde nicht gezählt, sagt Sprecher Spitzmüller. Er weiß über die Zahl der Kündigungen nur: „Es waren einige.“

Ulrich Jonas

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